Kunst

Martynova und Kränzler überzeugten Bachmann-Jury

Inger-Maria Mahlke hat am Freitag den zweiten Tag des Lesewettbewerbs um den Ingeborg-Bachmann-Preis im Klagenfurter ORF-Theater eröffnet. Ihr Romanauszug erntete großes Lob einiger Juroren.

Martynova und Kränzler überzeugten Bachmann-Jury SN/apa (eggenberger)
Die Jury beim 36. Bachmann-Preis.

Die aus Russland stammende Martynova las "Ich werde sagen: Hi!", das Porträt eines Burschen, der seine Ferien bei Tante und Onkel verbringt. Er interessiert sich für Mädchen, aber auch für das Schreiben. Der Text enthält witzige Einschübe, thematisiert die Multikulturalität und macht Ausflüge zur Bibel und zur Archäologie. Hubert Winkels gefiel der Text sehr gut, er habe eine Leichtigkeit, die sich aber nicht sofort erschließe. Daniela Strigl lobte den "hintersinnigen, anarchischen Witz". Corina Caduff lobte die Qualität der verwendeten Sprache, war aber nicht ganz überzeugt. Juryvorsitzender Burkhard Spinnen hüllte sich überraschenderweise in Schweigen.

Kränzlers Ich-Erzählerin beschreibt ihre Kindheit, von der Kindergarten-Aufführung über die Wirrungen einer Mädchenfreundschaft bis zur Rettung eines jungen Kätzchens vor einem grausamen Bauern. Sie thematisiert die Gefühle, die sich in der beginnenden Pubertät einstellen und die ersten sexuellen Erfahrungen samt dem Thema Missbrauch. "Packend und gelungen", befand Hildegard Keller, Spinnen hingegen lobte die "Souveränität", sah aber das Geheimnis hinter dickem Glas verborgen. Caduff lobte die "absolut durchgearbeitete" Sprache, Strigl war nur teilweise überzeugt.

In Travniceks "Junge Hunde" geht es um eine junge Frau, die sich anlässlich der Übersiedlung ihres Vaters ins Altersheim an ihre eigene Jugend erinnert, samt Partys und den kleinen Katastrophen, die sich beim Erwachsenwerden so ergeben. Feßmann lobte den "warmen Pragmatismus", der ihrer Autorin zu eigen sei. Strigl war ebenso angetan wie Winkels, wenig begeistert zeigte sich Paul Jandl, dessen Urteil "banal und simpel" lautete.

Am Samstag wird das Wettlesen von Matthias Nawrat begonnen, gefolgt von Matthias Senkel. Den Abschluss machen die beiden Österreicher Leopold Federmair und Isabella Feimer. Am Sonntag ab 11.00 Uhr folgt die Preisverleihung.

Quelle: APA

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