Kunst

Mit Avec in der Stille singen

Noch ist Vöcklabruck ein weißer Fleck auf der Landkarte des Pop. Mit der stillen Macht ihrer Stimme kann Songwriterin Avec das ändern.

Avec schreibt Musik, die aus der Welt fällt. So wie ihr Lachen. Sie lacht gern und oft. Ihrer Musik ist das nicht anzuhören. Nicht, dass ihre Songs traurig wären, aber sie atmen tiefe Melancholie. Nichts Aufdringliches passiert da, nichts, das sich anbiedernd in den Vordergrund drängt. Gesungen wird da etwa von der Erinnerung an die Großmutter und von deren Alzheimerkrankheit. "Granny" heißt der Song, zart instrumentiert, mit einer Stimme, die man nicht mehr so leicht loswird. Die Intensität des Songs strahlt Reife aus. Dabei ist die Frau, die sich Avec nennt, erst zwanzig Jahre jung.

Aus Vöcklabruck stammt sie. "Wenn du so vom Land kommst, hast du keine großen Erwartungen, was den Erfolg deiner Musik betrifft", sagt sie lachend. Sie wurde eines Besseren belehrt, nachdem vergangenen November vier Songs auf der EP "Heartbeats" erschienen waren.

FM4 spielt ihre Songs häufig. Avec war bei den Amadeus Awards nominiert - unter anderem für den Preis als "Künstlerin des Jahres". Sie muss wieder lachen, weil sie das selbst "nicht ganz glauben kann, wie das alles jetzt dahingeht".

Nun ist das erste Album im Fertigwerden. Geschöpft hat sie es aus einem großen Pool an Songs. Sie schreibt, seit sie zwölf ist. Und: "Ich schreibe viel", sagt sie. Mit dem Loslassen ihrer Songs, auch wenn die klingen wie intime Bekenntnisse, hat sie kein Problem. "Ich bin froh, wenn es fertig ist. Das ist ein gutes Gefühl, dieses Wissen, wie viel Arbeit da drinsteckt."

Leise ist sie aufgetaucht, wurde entdeckt, weil sie ihre Songs im Internet hochgeladen hat. Das tun andere auch. Die Eindringlichkeit, die aus ihrer Stimme wächst, aber hebt Avec heraus. Einmal gehört lässt sich ihre Stimme schwer vergessen - auch weil sie die richtigen Themen für diese Stimme findet: Liebe, Abschied, Verlust.

"Ich bin sicher nicht der Heavy-Metal- oder Hardcore-Typ", sagt sie. Aber nur "das Ruhige" höre sie dann doch nicht. Ihre Songs aber leben von filigranen Zwischentönen. Nachdenklichkeit strahlen sie aus. Entscheidend für die Wahl der musikalischen Mittel ist die Bedeutung des Textes. So gut wie immer ist der Text als Erstes da. Avec nämlich ist nach Eigendefinition "eine Leserin und eine Schreiberin".

"Nicht vom wirklichen Leben" erzähle sie, auch wenn Autobiografisches anklingt. Von etwas, das sie umtreibt, sie berührt, singt sie. "Es sind Einzelteile, ausgesuchte Szenen und Erlebnisse", die in klassischer Singer-Songwriter-Manier daherkommen. Es geht ihr dabei nicht darum, starre Vorgaben zu formulieren oder gar Erkenntnis. "Es geht auch darum, die, die zuhören, dazu zu bringen, sich eigene Gedanken zu machen, dass beim Hören eine Art neue Welt aufgehen kann", sagt sie.

Dass sie schreibt, sei "eine ganz normale Sache - jedenfalls für mich". Sie mag Sprache, hat sich auch schon an längeren Prosatexten versucht. Doch der "Song" erweist sich als ideale Form. Fünf Jahre hat sie Geige gelernt. Dann brachte sie sich das Gitarrespielen selbst bei. Im Kinderzimmer hat alles angefangen mit zwölf. "Und irgendwie ist es ja immer noch dort."

Sie pendelt zwischen der "Homebase" Vöcklabruck und ihrem Studienort Salzburg. Und immer öfter geht es zu Konzertterminen oder nach Wien zum Aufnehmen. Begleitet wird sie dabei von Andreas Häuserer (Gitarre, Bass, Piano), mit dem sie seit der Schulzeit zusammenspielt und der erster Hörer von Ideen ist, und Lukas Klement (Schlagzeug, Percussion, Gesang).

Die ersten Ideen für neue Lieder nimmt sie mit dem iPhone auf. "Das ist praktisch - und immer da." Denn viele Ideen kommen, wenn sie in Bewegung ist, als Beifahrerin im Auto oder im Zug. Bewegung sei wichtige Inspiration, das Vorbeirauschen der Landschaft oder wenn die Sonne auf- oder untergehe. Das wecke "Emotionen, aus denen leicht Texte kommen". Hinsetzen und sich vornehmen, etwas zu schreiben, das funktioniere nie.

Avec macht Songs, die einen Gegenentwurf zu einer Welt der Schnelligkeit, der dauernden Erreichbarkeit und der Info-Flutwellen bilden. Verlangsamung erreicht sie, ohne in sentimentalen Kitsch abzurutschen. Das tröstet, lässt einen Luft holen. Melancholie schwingt mit. Traurig ist das nie, eher nachdenklich. "Ich lache ja gern und viel", sagt sie - und lacht.

Festival:Early Spring, Singer-Songwriter-Festival. 8. und 9. April, Nexus Saalfelden.
Konzert:Avec spielt mit den Amadeus-Award-Gewinnern Schmieds Puls am 22. April auch in der ARGEkultur in Salzburg.

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