Kunst

Moderner "Don Giovanni" gefällt Bregenzer Festspielpublikum

Das Bregenzer Festspielpublikum hat am Montagabend die Premiere eines modernen "Don Giovanni" erlebt.

Moderner "Don Giovanni" gefällt Bregenzer Festspielpublikum SN/APA (BREGENZER FESTSPIELE)/KARL
Der Bregenzer "Don Giovanni" spielt in den 1970er-Jahren.

Die in die 1970er-Jahre versetzte Oper von Wolfgang Amadeus Mozart überzeugte durch Lebendigkeit und starke Darstellungen der Ensemble-Mitglieder. Die Besucher im ausverkauften Theater am Kornmarkt dankten mit lang anhaltendem, immer wieder aufbrandendem Applaus und "Bravo"-Rufen.

Im Rahmen des von Intendantin Elisabeth Sobotka ins Leben gerufene Opernstudio bringen die Bregenzer Festspiele nacheinander jene drei Mozart-Opern zur Aufführung, die der Komponist mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte erarbeitete. Nach "Cosi fan tutte" im Vorjahr bescherte nun "Don Giovanni" den Besuchern einen spannenden, interessanten und genussvollen Abend. Im nächsten Jahr wird "Le nozze di Figaro" folgen.

Der Bregenzer "Don Giovanni" spielt in den 1970er-Jahren, einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche, offener Sexualität und großer Unsicherheit mit Entführungen und Anschlägen. Dies wird auch bei der Ouvertüre noch einmal verdeutlicht, indem Filmmaterial aus jener Zeit auf dem von Barbara Hanicka gestalteten Bühnenbild - einem heruntergekommenen Hausflur mit mehreren Zimmertüren als Studentenheim-Unterkunft der Protagonisten - abgespielt wird. Zeitweise wird der Hausflur etwas beiseitegeschoben, um Einblick in die wenig saubere Gemeinschaftsküche zu geben.

Wolfgang Schwaiger als Don Giovanni singt und spielt in Jeans und Lederjacke, David Ostrek als sein Assistent Leporello fühlt sich im Unterhemd wohl. Auch die anderen Figuren sind in Sachen Kleidung modern gezeichnet. Die Geschichte des Don Giovanni hingegen bleibt unverändert. Der unverbesserliche Schwerenöter will keine Gelegenheit auslassen, seiner Frauen-Liste weitere Namen hinzuzufügen und scheut dabei vor gar nichts zurück. So kommt es dazu, dass er den Komtur (Dominic Barberi) erschießt. Von da an ist er auf der Flucht, denn Oksana Sekerina als Komtur-Tochter Donna Anna und Dashuai Chen als ihr Bräutigam Don Ottavio sinnen nach Rache.

In ihrer Darstellung erweisen sich die acht jungen Darsteller aus acht verschiedenen Ländern als virtuose Sängerinnen und Sänger, die vor allem, aber nicht nur stimmlich überzeugen. Schwaiger und Ostrek verkörpern so viel Charme und Schlitzohrigkeit, dass man sie trotz ihrer Fehler mögen muss. Sekerina und Camila Titinger (Donna Elvira) widerspiegeln Betroffenheit und Verletztheit und erhalten nach eindrucksvollen Solo-Parts donnernden Zwischen-Applaus. Jung Rae Kim (Masetto) sowie "seine" Hagar Sharvit (Zerlina) geben hingegen der Eifersucht eine Form. Chen macht gute Figur an der Seite seiner (vielleicht) Zukünftigen, und Barberi ist auch als Toter immer wieder mal da, um das Geschehen zu beobachten. Am Ende nimmt er Don Giovanni mit, der nicht bereuen will.

An der Inszenierung von Barbara Wysocka gefallen immer wieder die humorvoll eingeflechteten Details. Seien dies kleine, freizügig gehaltene Plakate von Don Giovannis Ehemaligen oder auch die "Darth Vader"-Maskierungen von Donna Elvira, Donna Anna und Don Ottavio bei der Fest-Szene in der Gemeinschaftsküche. Nebenbei wird geraucht und getrunken, und auch Kokain wird geschnupft. Unter der musikalischen Leitung von Hartmut Keil glänzt das Symphonieorchester Vorarlberg.

Die Besucher im Kornmarkttheater nehmen den Witz und die Emotionen der Oper ebenso an wie ihre Leichtigkeit und Schwere. Es gibt eine gute Verbindung zwischen Ensemble und Publikum, die im lang anhaltenden Schlussapplaus zum Ausdruck kommt.

(BILDAVISO - Fotos der Inszenierung sind im AOM abrufbar. Sie wurden am 13. August veröffentlicht.)

(S E R V I C E - "Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart im Rahmen der Bregenzer Festspiele in der Inszenierung von Barbara Wysocka. Es spielt das Symphonieorchester Vorarlberg unter Leitung von Hartmut Keil. Mit Wolfgang Schwaiger, Dominic Barberi, Oksana Sekerina, Dashuai Chen, Camila Titinger, David Ostrek, Jung Rae Kim und Hagar Sharvit. Bühne und Kostüme: Barbara Hanicka. Weitere Aufführung im Kornmarkttheater: 16., 18. und 20. August. Informationen unter http://bregenzerfestspiele.com/de/programm/don-giovanni)

Quelle: APA

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