Kunst

Mozartmatinee in feurig-lebendigen Klangbildern

Giovanni Antonini leitete das Mozarteumorchester.

Mozartmatinee in feurig-lebendigen Klangbildern SN/sf/borrelli
Giovanni Antonini und das Mozarteumorchester in der 4. Mozartmatinee.

Auch jenseits der Salzach, nicht nur im Festspielbezirk: Ein Stromausfall und minutenlange Dunkelheit waren am Samstag die unfreiwillige Ouvertüre zur vorletzten Mozartmatinee. Licht ins Dunkle brachte nach Behebung des Schadens Originalklangexperte Giovanni Antonini. Der Italiener ist seit dem Debüt 1998, damals mit seinem exzellenten Kammerensemble Il Gardino Armonico, gern gesehener Gast bei den Salzburger Festspielen.

Mittlerweile ist er als Erster Gastdirigent dem Mozarteumorchester eng verbunden, was sich auch in seinem diesjährigen Programm niederschlug. Mit Haydn, Mozart und Beethoven, der klassischen Trias, wurde ein feiner Spaziergang durch die Farben und Temperamente des 18. Jahrhunderts unternommen.

Für den ersten Teil des Programms wählte Antonini zwei Moll-Symphonien: Nr. 49 in f-Moll von Haydn und die "kleine" g-moll-Symphonie (KV 183) Mozarts. Dabei legte die subtile und höchst lebendig pointierte Interpretation des Dirigenten die anders gelagerten Innenwelten der Komponisten wunderbar frei. Bleibt Haydn trotz dramatischer Überraschungen quasi der sachliche Beobachter, speist sich Mozarts Musik aus subjektiver Emphase.

Nach der Pause erklang effektvoll die Ouvertüre zu Haydns zweiaktiger Oper "L' isola disabitata", eine symphonische Reverenz an "Sturm und Drang", die mit Verve eine entsprechend klangliche Umsetzung fand. Zupackend geriet Beethovens 4. Symphonie in B-Dur. Mit schockartigen Akzenten und tänzerischer Anmut sorgte Antonini für krimihafte Hochspannung, kostete aber auch die sanft tröstlichen Passagen voll aus. Die Matinee war als neugieriges, begeistertes Zusammenwirken zwischen Dirigent und Orchester zu erleben.

Antoninis Handschrift, die aus der historischen Aufführungspraxis kommt, wurde klanglich hervorragend von den Musikern des Mozarteumorchesters getragen. Zu hören war ein kompakter Klangkörper, in welchem den Farben genügend Freiraum für Transparenz bleibt und Emotionen verführerisch wirken. Das Publikum feierte alle Beteiligten. Ein Wiedersehen mit Antonini in Salzburg gibt es bereits in der Mozartwoche.

Quelle: SN

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