Kunst

Münchner Gericht erklärt Gurlitts Testament für gültig

Nach einem langwierigen Rechtsstreit kann die millionenschwere Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt nun an das Kunstmuseum Bern gehen.

Münchner Gericht erklärt Gurlitts Testament für gültig SN/apa
Symbolbild.

Das Testament des 2014 gestorbenen umstrittenen Kunstsammlers ist nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts München gültig, wie das OLG am Donnerstag mitteilte. Revision ließ das Gericht nicht zu. Das Erbscheinverfahren ist damit abgeschlossen.

"Weg frei für das Kunstmuseum Bern", hieß es in der Gerichtsmitteilung. "Dem im Testament als Alleinerbe eingesetzten Kunstmuseum Bern wurde der Erbschein zu Recht erteilt." Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) begrüßte das Urteil. "Es ist gut, dass wir alle nun Klarheit haben, wer das Erbe von Cornelius Gurlitt antritt", sagte sie. "Diese Entscheidung hilft uns, die Aufklärung des Kunstfundes zügig und transparent fortzusetzen."

Der im Mai 2014 im Alter von 81 Jahren verstorbene Gurlitt, in dessen Schwabinger Wohnung und Salzburger Haus mehr als 1.500 Kunstwerke gefunden wurden, hatte seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Seine Cousine Uta Werner aber zweifelte das Testament an und erhob selbst Anspruch auf die Sammlung. Sie gab an, dass Gurlitt nicht in der geistigen Verfassung gewesen sei, ein Testament zu machen. Das Gericht widersprach dieser Auffassung. "Eine Testierunfähigkeit des Herrn Gurlitt zum maßgeblichen Zeitpunkt der Abfassung des Testaments" sei, so der Senat, nicht festzustellen.

Seine Entscheidung gründet das Gericht auf das Gutachten eines Sachverständigen, der neben Briefen Gurlitts und Briefen an ihn auch Zugriff auf ärztliche Unterlagen hatte. Den Ausführungen der von Werner bestellten Gutachter, die Gurlitt einen Wahn und eine mittelschwere Demenz bescheinigten, folgte das Gericht nicht - zum Unmut von Werner. "Cornelius Gurlitt war in der Vorstellung gefangen, er müsse seine Bilder vor den Nazis retten, die in seiner Wahnvorstellung immer noch eine Bedrohung darstellten", sagte sie am Donnerstag laut Mitteilung. "Dass er den einzigen Weg dazu in der Schweiz sah, ist unzweifelhaft Ausdruck dieser traurigen Verwirrung."

Der spektakuläre Kunstfund in Gurlitts Schwabinger Wohnung hatte 2013 weltweit Aufsehen erregt und eine hitzige Debatte über den Umgang mit von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerken in Deutschland entfacht. Damals wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft schon 2012 rund 1280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt hatte. Zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg auf.

Fast 100 Bilder aus der umstrittenen Gurlitt-Sammlung haben Experten des Projektes "Provenienzrecherche Gurlitt" inzwischen mehr oder weniger sicher als Raubkunst identifiziert, darunter Kunst von Henri de Toulouse-Lautrec, Max Liebermann, Edvard Munch und eine Rembrandt-Grafik. Cornelius Gurlitt war der Sohn von Hildebrand Gurlitt, einem von Adolf Hitlers Kunsthändlern.

"Die Rückgabe muss nach langer Ungewissheit jetzt umgehend erfolgen", sagte Ruediger Mahlo von der jüdischen Opfervertretung Claims Conference in Deutschland. "Das Urteil setzt auch das seit drei Jahren laufende Projekt Gurlitt Provenienzrecherche unter Druck, die Provenienz der Sammlung zeitnah zu klären."

Auch wenn das Verfahren um den Erbschein nun abgeschlossen ist, kann Uta Werner nach Gerichtsangaben noch einen Zivilprozess anstreben. Eine vom Kunstmuseum Bern und der Bundeskunsthalle in Bonn geplante Ausstellung soll aber in jedem Fall 2017 stattfinden.

Bevor die umstrittene Gurlitt-Sammlung tatsächlich in die Schweiz gehen kann, muss allerdings der Freistaat Bayern eine Ausfuhrgenehmigung erteilen. Grund ist das viel kritisierte Kulturgutschutzgesetz, das im Sommer verabschiedet wurde und national wertvolles Kulturgut vor der Abwanderung ins Ausland schützen soll. "Grundsätzlich unterliegt auch diese Sammlung dem Kulturgutschutzgesetz", sagte ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Grütters.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 20.09.2018 um 03:07 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/muenchner-gericht-erklaert-gurlitts-testament-fuer-gueltig-606298

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