Kunst

Münzfund erklärt Verlegung des Stadtzentrums von Ephesos

Trotz der von der Türkei angeordneten vorzeitigen Einstellung der von österreichischen Archäologen geleiteten Arbeiten im antiken Ephesos Ende August gelangen auch in der heurigen Grabungssaison wichtige Entdeckungen. Der Fund eines Münzdepots gebe etwa Aufschluss darüber, wann das einstige Stadtzentrum der antiken Metropole übersiedelt wurde, teilte das Archäologische Institut am Mittwoch mit.

Münzfund erklärt Verlegung des Stadtzentrums von Ephesos SN/linder

Bei den 160 Münzen, die sich wohl ursprünglich in einem Beutel befanden, handle es sich um eine ungewöhnliche Entdeckung von besonderer Bedeutung, erklärte die Direktorin des Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Sabine Ladstätter, der APA. Die Münzen wurden vermutlich am Fundort vor Fremden versteckt. Da die Archäologen in einem schmalen Mauerspalt der Säulenhalle (Stoa) des Platzes der Oberen Agora fündig wurden, lassen sich daraus wichtige Schlüsse über die Entwicklung der heute in der Westtürkei gelegenen Stadt ziehen.

Die Obere Agora bildete nämlich über lange Zeit hinweg das städtische Zentrum. Da der Beutel mit dem Geld aber nur von oben in den Spalt gelegt worden sein kann, müsse man davon ausgehen, dass zu diesem Zeitpunkt um 520 nach Christus die ehemals repräsentative Säulenhalle schon weitgehend abgetragen war. Dass die Bewohner die früher wichtigen großen Bereiche der Oberstadt nicht mehr gebraucht haben, die Stadt um diese Zeit insgesamt deutlich kleiner geworden ist und sich das Zentrum in Richtung Hafen verlagert hat, war den Wissenschaftern bereits bekannt. "Dass das bereits um 520 passiert ist, ist für unsere Vorstellungen schon sehr früh. Da stand Ephesos noch in absoluter Blüte, trotzdem wurde das kaiserzeitliche Stadtzentrum schon abgetragen. Das sagt uns auch viel über die Mentalitätsgeschichte", so Ladstätter.

Denn die Aufgabe des Zentrums des öffentlichen Lebens und der Verwaltung markiere eine tiefgreifende Veränderung in der Bevölkerung: "Das Stadtbild war nicht mehr von den alten öffentlichen Einrichtungen, sondern schon stark von den christlichen Kirchen geprägt, um die sich das städtische Leben dann angesiedelt hat. Der antike Charakter von Ephesos wird damit eigentlich aufgegeben", sagte die Leiterin der österreichischen Grabungen.

Die im Rahmen eines Kooperationsprojekts der Universität Regensburg mit dem ÖAI gefundenen Münzen geben aber auch Aufschlüsse über die weitreichenden wirtschaftlichen Verbindungen: "Die Zusammensetzung des Hortfundes (mehrere gleichzeitig niedergelegte, vergrabene oder versenkte Münzen, Anm.) belegt letztendlich intensive Handelsbeziehungen von Ephesos mit Nordafrika auch nach der vandalischen Eroberung. Nur so ist erklärbar, dass Münzen mit Porträts der Könige Thrasamund und Hildirich neben jenen der byzantinischen Kaiser Anastasius und Zeno zirkulierten", erklärte der Numismatiker Nikolaus Schindel von der ÖAW.

Die österreichischen Grabungen in Ephesos finden seit 1895 statt. An dem archäologischen Großprojekt beteiligen sich alljährlich um die 250 Wissenschafter aus bis zu 20 Ländern. Auslöser für den vom türkischen Außenministerium angeordneten Stopp der heurigen Grabungskampagne mit 31. August waren diplomatische Verstimmungen zwischen Ankara und Wien im Zuge des gescheiterten Putsches in der Türkei. Die Entscheidung hatte in der Wissenschaftscommunity Bestürzung ausgelöst, Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wandte sich daraufhin in einem Schreiben an den türkischen Kulturminister Nabi Avci.

Seitens des ÖAI sei man trotz dieser Entwicklungen jedoch damit beschäftigt, wie immer am Ende des Jahres den Antrag für die Grabung im kommenden Jahr bei den türkischen Behörden einzureichen, sagte Ladstätter. "Wir planen das wie gehabt, beginnen aber ab Mitte November parallel dazu mit Gesprächen mit unseren türkischen Kollegen, um abzuschätzen, ob es uns erlaubt wird zu arbeiten", so die ÖAI-Leiterin.

Quelle: APA

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