Kunst

Museum der Moderne: Der Amerikaner denkt stark und deutlich

Ein kritischer US-Amerikaner geht auf rund 500 Zeichnungen der Frage nach: Was ist typisch für den "Homo Americanus"?

Klarer Kopf, weiter Blick, prägnante Sätze - so offenbart ein Amerikaner das Selbstverständnis seines Heimatlands und seiner Mitbürger. Viele diese Amerikaner, meist Männer, wirken entschieden und tatkräftig. So jedenfalls zeichnet sie Raymond Pettibon, der aus Tucson in Arizona stammt, in Los Angeles studiert hat und in New York lebt. Er kennt die USA also von West- wie Ostküste und Landesinnerem. Da er seit drei Jahrzehnten zeichnet, ergeben die rund 500 Bilder, die das Museum der Moderne Salzburg auf dem Mönchsberg ab heute, Samstag, zeigt, ein "Spiegelbild der US-amerikanischen Kultur" und "prägende Narrative des amerikanischen Traums", wie es in der Ankündigung heißt. Demgemäß trägt die Ausstellung den Titel "Homo Americanus".

Verführerisch beginnt es mit Surfern in Kalifornien. Wie die Welle am Saum des gewaltigen, endlosen Pazifiks da den einzelnen Menschen erhebt und enthebt! Dies vergegenwärtige "eine Urszene der Erhabenheitserfahrung", erläutern die Kuratoren. Solche bunten oder schwarzen Zeichnungen mit Pinsel oder Stift wirken auf erste unvirtuos, ja gar ungelenk. Doch lässt man sich auf sie ein, wird deutlich, wie konzis Raymond Pettibon Gefühle und Stimmungen festhält, die in ihrer Vielzahl - immerhin fast 500 Zeichnungen - und aufgrund des im Titel offenbar werdenden Anspruchs so etwas wie US-amerikanisches Selbstverständnis ergeben.

Raymon Pettibon hat etwa die Bibel gezeichnet - nicht als Buch voller vielfältig miteinander verwobener, uralter Erzählungen. Bei ihm ist die Bibel ein schwarzer Monolith - geschlossen und unabänderlich. Er hat Züge mit pfauchenden Lokomotiven gezeichnet, die vom kraftvollen, raschen, lauten Fortschritt Amerikas erzählen. Er hat den Atompilz gezeichnet. Eine seiner Schöpfungen ist "Vavoom", ein Mann, der als einziges Wort "Vavoom" rufen kann; dieses Emblem der Selbstbezogenheit zeichnet er wie Comics. Immer wieder ragt ein Phallus. Dort und da sieht man Revolver. Überall schimmert eine Sehnsucht nach viriler Kraft, Eindeutigkeit, Stärke, Überlegenheit.

Während Raymond Pettibon seit den 1980er-Jahren die Zustände seines Landes verfolgt, wandelt sich der Ausdruck seiner Zeichnungen von gutem Ich-Gefühl zu Sarkasmus, Zorn und gar Verbitterung. Im letzten Raum dieser beeindruckenden Ausstellung geht es um "Irak". Kein Land, keine Kultur sind da zu entdecken, sondern US-Soldaten oder in Stars and Stripes eingehüllte Särge. Nicht nur wegen des vielen Schwarz auf all den Bildern graut es einem immer wieder vor diesem "Homo Americanus".

Ausstellung: Raymond Pettibon - Homo Americanus, MdM Mönchsberg, Salzburg, bis 12. Februar 2017.

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