Kunst

Museum der Moderne: Ganz oben angekommen

Vermutlich haben Sie es heute auch schon getan. Nämlich fotografiert.

Museum der Moderne: Ganz oben angekommen SN/heinz bayer
Christiane Kuhlmann über den Dächern Salzburgs, im M32. Gleich nebenan befindet sich ihr Arbeitsplatz - im Museum der Moderne (MdM).

Gute Aussichten sind das. Im doppelten Sinn. Die eine ist man als Salzburger gewöhnt. Die Rede ist von der unverschämt schönen Aussicht von der Terrasse des Restaurants M32 auf die Dachlandschaft der Stadt. Auf den zweiten Ausblick, da darf man sich herzlich freuen. Christiane Kuhlmann erläutert ihn im M32 bei einer Tasse Kaffee. Kuhlmann ist "die Neue" im Museum der Moderne (MdM).

Als Kuratorin für Fotografie und Medienkunst folgte sie Margit Zuckriegl nach.

Was war, ist nicht mehr. Das gilt auch für das Rupertinum. Dort hatte die Fotosammlung des Bundes ihr Zuhause. Die Sammlung existiert seit den 1980er-Jahren. Sie umfasst 9500 Einzelarbeiten von über 500 Kunstschaffenden. Pro Jahr werden vom Bund Werke im Wert von 100.000 Euro angekauft. Da ist ein Schatz vorhanden, den es nicht bloß zu verwalten gilt. Und das hat sich die 1967 in Essen geborene promovierte Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt Fotografie und Medien entschlossen vorgenommen. Salzburg sei ein wichtiger Ort, was Fotografie angehe. Das belege die seit Jahrzehnten geleistete Arbeit des Fotohofs. Dazu komme auch die erwähnte Sammlung des Bundes. Daraus resultiere Verantwortung. Deshalb will Kuhlmann "Salzburg auf der Landkarte der europäischen Fotografie neu aufstellen". Sie lächelt und sagt: "Wir alle glauben ja an dieses Medium. Wenn wir unser Passbild betrachten, sagen wir: Das bin ich!"

Fotografie ist ohne Zweifel ein hochaktuelles Medium. Ein Massenphänomen. 2015 wurden geschätzt über 1,4 Mrd. Fotos im Internet hochgeladen und geteilt. Pro Tag. Wobei Handy-Fotografie nur ganz weit entfernt mit ernsthafter fotografischer Arbeit zu tun hat. Andererseits ist dieses Medium ein geschichtsträchtiges. Es besitzt den Faktor der Vermittlung von Historie.

Kuhlmann war von 2001 bis 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin der fotografischen Sammlung am Museum Folkwang Essen. Zudem arbeitete sie als freie Kuratorin für Institutionen wie das Museo Picasso in Malaga, das Kunstmuseum Bern und das Rijksmuseum in Amsterdam.

Aktuell schließt sie an der Berlinischen Galerie ihre wissenschaftliche Arbeit am Nachlass von Erich Salomon ab. Thematisch wird sie ihn nicht zu den Akten legen. Salomon, so hat man den Anschein, könnte weiter ein wesentlicher Punkt ihres Tuns und Handelns sein. Erich Salomon war nicht nur Jurist. Er war vor allem Fotograf und Bildjournalist. Und ohne Abwertung darf er als erster Paparazzo benannt werden. Selbstsicher und ohne Scheu bewegte er sich in seiner Zeit in Künstlerkreisen und in den Zirkeln der gehobenen Gesellschaft. Seine Arbeiten haben nicht nur großen dokumentarischen Wert. Sie waren in Ausdruck und Form stilprägend.

Eines will Kuhlmann nicht: Fotografie vom Elfenbeinturm der Kunst aus betrachten. Obwohl sie das Thema und den Job von einer erhöhten Warte angeht. Vom Mönchsberg aus.

Die humorvolle "Macherin" kam quasi ganz oben an. Ihr Büro liegt "droben", 500 Meter über der Stadt, im Museum der Moderne. Auch die Fotografie soll dort ihren fixen Platz bekommen. Weil es in den großen Räumen am Berg möglich ist, auch überdimensionale junge Formate zu präsentieren.

Eine erste Ausstellung, die ausschließlich Christiane Kuhlmanns Handschrift trägt, ist 2017 zu sehen. Na, ja: Das sind doch gute Aussichten.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 02:18 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/museum-der-moderne-ganz-oben-angekommen-1193992

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