Kunst

N. Ernst: "Große Musik passt nicht in kleine Lautsprecher"

Am Tag vor der Premiere der "Liebe der Danae" bei den Salzburger Festspielen versammelte sich heute, Samstag, Vormittag ein großer Teil des Sängerensembles, um einen aus ihrer Mitte bei der Vorstellung seiner neuen CD zu feiern: Norbert Ernst präsentiert sich auf "Lebt kein Gott" (Decca) im Heldenfach. "Wagner ist ein Grundbaustein meiner Karriere", erklärte der Tenor. "Richard und Wolfgang."

Bei einem Vorsingen in Bayreuth wurde er von Wolfgang Wagner und Pierre Boulez als dritter Knappe bestellt, zehn Jahre Solistenrollen am Grünen Hügel folgten. An der Wiener Staatsoper war er sechs Spielzeiten lang im Ensemble - eine Tour de force mit 54 Partien und mehr als 330 Abenden.

Heute ist eine der prägenden Figuren seiner Laufbahn Franz Welser-Möst, der mit dem gebürtigen Wiener Tenor sowohl in der Oper als auch bei Konzerten, etwa mit dem Cleveland Orchestra zusammenarbeitet. "Wenn Welser-Möst einen Sänger an sich bindet, dann ist das eine große Entscheidung, das wissen wir alle", streute Moderatorin Barbara Rett Rosen.

"Ich bin da über alle Maßen glücklich, weil Franz Welser-Möst ein Dirigent ist, der Visionen hat für die Stimme - er artikuliert sie und er besetzt sie", so Ernst. Kaum ein Dirigent habe heute den Mut, sich zu deklarieren und sei gleichzeitig so loyal. "Er hat großes Vertrauen bis zuletzt." In der "Liebe der Danae" von Richard Strauss steht Ernst unter Welser-Mösts Ägide als Merkur auf der Bühne, es inszeniert Alvis Hermanis, der den Sängern neben den dramatischen Partien einiges an Turnarbeit abverlangt.

In eine Opernrolle mit Leib und Seele zu schlüpfen ist für Ernst wichtigste Zutat zum Musiktheater. "Ich mag es überhaupt nicht, in der Oper zu sitzen und einen Sänger zu sehen", sagt er. Aussehen, Bewegung, Stimme, alles müsse der Rolle dienen. Manchmal ein steiniger Weg, wie er zugibt. "Einmal musste ich in einer sehr gewaltsamen 'Poppea' von Christof Loy auf der Bühne mehrere Menschen umbringen und dann Suizid begehen. Das hat mich bis in meine Träume verfolgt."

Seine musikalische Laufbahn hat für den Sängerknaben-Verweigerer ("Internat wäre überhaupt nichts für mich gewesen") eigentlich an der Geige begonnen. "Aber das Talent hat nicht gereicht, also wurde es halt das andere", gibt er sich - überzeugend - bescheiden. Dieses "andere" klingt auf der neuen CD dann eher nach Naturgewalt. Florestan, Parsifal, Max, Lohengrin und wie sie alle heißen, die Unmöglichen, deren Arien einem Sänger alles abverlangen.

Mit möglichst wenigen Schnitten habe man gearbeitet, wollte einen möglichst live-getreuen Eindruck entstehen lassen, erklärte Hartmut Keil, der bei der Einspielung das Brandenburgische Staatsorchester dirigierte. Norbert Ernst ist trotzdem nicht vollauf zufrieden - zumindest mit der Qualität der lokalen Musikanlage. "Wie Sie hören passt große Musik nicht in kleine Lautsprecherboxen."

Quelle: APA

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