Kunst

Nachtkritik zu "Cosi fan tutte": Er will ja nur spielen

Mit drei Mozart-Wiederaufnahmen verabschiedet sich Interimsintendant Sven-Eric Bechtolf als Regisseur von den Salzburger Festspielen. "Cosi fan tutte" ist eine Art Neuinszenierung.

Nachtkritik zu "Cosi fan tutte": Er will ja nur spielen SN/APA (Gindl)/BARBARA GINDL
Angela Brower als "Dorabella", Martina Jankova als "Despina", Alessio Arduino als "Guglielmo", Julia Kleiter als "Fiordiligi" und Mauro Peter als "Fernando".

Ursprünglich im Sommer 2013 für das "Haus für Mozart" konzipiert, hatte eine Wiederaufnahme in diesem Sommer keinen Platz mehr auf dieser Bühne. So übersiedelte die Produktion jetzt, mit Premiere am Freitag, in die Felsenreitschule, wofür neue Dekorationen entworfen wurden. Sie bestehen in der Hauptsache aus zwei Mal drei Landschaftsparavents, die nach Bedarf ausgerollt werden. Zusätzlich werden viele Kerzen entzündet, und links hinten stehen Tische, die offenbar Forschungszwecken dienen. Immerhin geht es in Mozarts Oper ja um ein Liebes- und Treue-Experiment. Die Kulisse der Felsenreitschule entfaltet vor diesem bescheidenen Meublement ihre eigene Wirkung: Auch nicht übel.

Interessiert entnimmt der Besucher dem Programmbuch, dass die Bühneneinrichtung von Sven-Eric Bechtolf stammt. Das war eine Profession, die im Portefeuille des Intendanten (der auch Schauspieldirektor, Regisseur, Schauspieler, Rezitator, Autor, Werkbearbeiter und Shakespeare-Übersetzer ist) noch fehlte. Nur gesungen hat er in seinen fünf Salzburger Jahren noch nicht …

Das überlässt er, im Falle von "Cosi fan tutte", einem bis auf Martina Jankova in der Rolle der Despina neuen Ensemble. Beherrscht wird es von Michael Volle als Don Alfonso: eine wahre Luxusbesetzung als Drahtzieher. Dementsprechend dreht Volle auch auf. Julia Kleiter als Fiordiligi und Angela Brower als Dorabella machen ihre Sache gleichwertig ordentlich, Mauro Peter als Ferrando wirkte nicht ganz frei in seiner tenoralen Strahlkraft, Alessio Arduini als Guglielmo etwas untergewichtig.

Alle stecken sie in historisch korrekten Kostümen (nein, nicht Bechtolf, sondern Mark Bouman). Man sieht und reibt sich die Augen: Retro-Opernästhetik wie aus dem Fundus. An "Interpretation" ist der Regisseur nämlich nicht interessiert; er will nur spielen (lassen). Und so ziehen vier Stunden mehr lang als weilig vorüber, manches Mal passt das (Zusammen-)Spieltemperament, manches Mal blitzen dialogische Ideen auf, manches Mal wird nur routiniert arrangiert. Eine Haltung zum Werk nimmt Bechtolf nicht ein. Es läuft wie es läuft.

Am Pult des redlichen, aber nicht wirklich herausgefordert wirkenden Mozarteumorchesters arbeitet sich Ottavio Dantone eigenartig genügsam durch die Partitur, ohne Feuer oder erkennbare Inspiration, im zweiten Akt mit vielen langsamen bis lahmen oder inkongruenten Tempi, unscheinbar gerät die Hammerklavier-Rezitativbegleitung.

Genügt das Ganze - Szene, Ensemble, Musik, Orchester - wirklich den Ansprüchen der Salzburger Festspiele? Man sollte jedenfalls lieber nicht an welche Vorbilder auch immer, ob großartig oder umstritten, aus der reichen Aufführungsgeschichte am Ort denken.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 05:55 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/nachtkritik-zu-cosi-fan-tutte-er-will-ja-nur-spielen-1207858

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