Kunst

Nachtkritik zu "Der Sturm": Am Anfang brennt die Rache

"Der Sturm" von William Shakespeare schickt die Protagonisten auf Pfade der Vergebung.

Samt Entourage stranden die Untreuen auf Prosperos Insel und sind nun seinen Rachegelüsten ausgesetzt. Wie ein Regisseur zieht er dort die Fäden. Das neue Herrschaftsgebiet hat sich Prospero seinerseits unrechtmäßig von Caliban (Jens Harzer), einer Schreckenstrias aus Mensch, Tier und Ungeheuer, einverleibt.

Prospero knechtet ihn mit seinen Zauberkräften. Milde lässt er nur gegenüber seiner Tochter Miranda walten, die sich augenblicklich in den ebenfalls gestrandeten Sohn Alonsos, Ferdinand (Maximilian Pulst), verliebt.

Doch Prospero, gewahr der Bestechlichkeit des menschlichen Herzens, prüft den jungen Prinzen mit Qualen ehe er der Verbindung zwischen den beiden Liebenden zustimmt. In einer Nebenhandlung des Stücks plant Usurpator Antonio und Alonsos Bruder Sebastian (Max Urlacher) die Ermordung des Königs.

Caliban hingegen wittert in dem spaßigen Duo Trinculo (Matthias Bundschuh) und Stephano (Matthias Redlhammer) Weggefährten zur Beseitigung seines Sklavenhalters Prospero.

Machtgier und Gewalttätigkeit scheinen allgegenwärtig in Shakespeares Abriss der Welt auf einer anonymen Insel. In diesen Kosmos bettet der Autor gleichberechtigt das Sichtbare neben das Unsichtbare, verwebt Fantasie und zeitgenössische Realität. Motive wiederholen sich mit wechselnden Protagonisten. Verhandelt wird Moral und die Bestechlichkeit der menschlichen Seele in der Gestalt facettenreicher Charaktere.

Am Ende blitzt Versöhnung und Hoffnung durch finstere Gewissheit hindurch.

Peter Simonischek zeigt einen beeindruckenden Prospero. Pfadlos tobt er im Steinbruch seines inneren Gebirgs bis Ariel die Wandlung bewirkt und ihn auf den Weg der Versöhnung schickt.

Das Zerbrechen des Zauberstabs und das gleichsame Abschwören von seinen magischen Kräften bewerkstelligt Peter Simonischek mit großer Durchlässigkeit. Wie ein Perpetuum Mobile des Leids kriecht Jens Harzers Caliban über die Bühne. Entlädt immer wieder in Schlupflöchern der Raserei seinen blinden Hass. In einer subtilen Scharfzeichnung einer zutiefst gestörten und verstörten Kreatur leistet Harzer eine herausragende schauspielerische Leistung.

Sara Tamburini als Miranda mimt überzeugend einen pubertierenden Wildfang, schwächelt aber wo die Rolle mit unschuldiger Begeisterung lockt. Maximilian Pulst persifliert die Rolle des Ferdinands, was nicht aufgeht. Stark in Nebensollen sind Branko Samarovski und Charles Brauer.

Regisseurin Deborah Warner lässt diesen vielbödigen Plot auf einer beinahe leeren Bühne von Ausstatter Christof Hetzer spielen. Seine Rauminstallation ist ein fantasievolles Spiel der Elemente. Für Warner ist die heurige Festspielproduktion die vierte Bearbeitung des Stoffes in ihrer Karriere. Sie drückt ihrem Publikum keine Leseart auf, sondern bietet Annäherungen. Entlang dieses Weges feiert die Regisseurin ihre Liebe zum Autor und den Glauben an die erschütternde Macht eines Schauspielertheaters.

Sieben Fragen zu Shakespeares "Der Sturm"
Quelle: SN

Aufgerufen am 24.09.2018 um 03:17 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/nachtkritik-zu-der-sturm-am-anfang-brennt-die-rache-1196065

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