Kunst

Nestroys "Frühere Verhältnisse" in Reichenau

Mit Johann Nestroys Posse "Frühere Verhältnisse" sind die Festspiele Reichenau am Samstaggestartet. Maria Happel hat eine stimmige Inszenierung vorgelegt und verkörpert selbst die Rolle der Peppi Amsel.

Nestroys "Frühere Verhältnisse" in Reichenau SN/apa (jäger)
Vor 150 Jahren starb Nestroy.

An ihrer Seite reüssieren Nicolaus Hagg als Holzhändler Scheitermann, Ulrike Beimpold als seine Frau Josephine und Toni Slama als Hausknecht Anton Muffl.

"Und's Fatalste bei die früheren Verhältnisse is, dass sie oft später aufkommen tun": In eineinhalb Stunden ohne Pause kommt die kurzweilige Handlung konzentriert über die Bühne. Vor dem Hintergrund wirtschaftlich und gesellschaftlich labiler Zeiten gedeihen Standesdünkel und Emporkömmlinge, Täuschung und Selbsttäuschung sowie jenes Phänomen, das der Germanist Franz Mautner 1974 als "zeitlose Wurmstichigkeit des vor allem auf Anstand bedachten Bürgers" gekennzeichnet hat. Das verleitet in der korruptionsgebeutelten Gegenwart natürlich zu aktuellen Assoziationen, die Hagg zu nützen weiß.

Schon 1998 stand das Stück auf dem Spielplan der Festspiele, damals in der Regie von Heinrich Schweiger. Insgesamt 13 Nestroy-Produktionen gab es seit 1990 in Reichenau. Die diesjährige - zu Nestroys 150. Todesjahr - ist eine besonders gelungene, geradezu modellhafte, mit exemplarisch herausgearbeiteten Typen. Intendant Peter Loidolt hat ein ebenso funktionelles wie schlichtes Bühnenbild beigesteuert, Erika Navas in bewährter Weise die Kostüme. Im Zentrum des Geschehens ist das fünfköpfige Bühnenorchester postiert, dessen sukzessiver, zunächst schattenrissartiger Auftritt den Beginn des Abends prägt. Maria Happel hat die Originalmusik von Anton Maria Starch durch neue Kompositionen ergänzt, die von der Cellistin Anna Starzinger arrangiert wurden.

Gleichzeitig mit Festspielbeginn in Reichenau ist auch der Kurpark neu belebt mit 25 Figurinen der besten Schauspieler aus den vergangenen 25 Jahren Reichenauer Theatergeschichte. Verteilt über den Rasen, vor dem Pavillon und am Teich findet man im Juli die überlebensgroßen Fotostandbilder, die auch als Fotomotiv für Festspielgäste dienen sollen.

Quelle: APA

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