Kunst

Neu im Kino: Auf in den Kampf, die Zombies sind da

Die wohl kurioseste Verfilmung einer Jane-Austen-Geschichte heißt "Stolz und Vorurteil und Zombies". Und sie funktioniert.

Wieder auflegen, neu interpretieren, remixen: Im Kino haben Kulturtechniken, bei denen unterschiedliche Genres und Erzählformen kombiniert werden, einen schlechten Ruf. Der immerwährende Strom an Remakes, Bestsellerverfilmungen, Fortsetzungen und Neuauflagen bekannter Stoffe ergebe, so die oft gehörte Klage, einen eklatanten Mangel an Originalität, weil ängstliche Geldgeber nur bewährte Rezepturen zuließen. Ein geradezu archetypisches Beispiel dieser postmodernen Meta-Misch-Mix-Kultur kommt am Freitag ins Kino: "Stolz und Vorurteil und Zombies" ist genau das, wonach es klingt, nämlich eine Verfilmung von Jane Austens Gesellschaftskomödie "Stolz und Vorurteil" - allerdings mit Zombies.

Der Film unter der Regie von Burr Steers beruht auf dem Buch von Seth Grahame-Smith, der Austens scharfe Gesellschaftskritik um die Anwesenheit von mordlustigen Untoten bereichert, einfach so, um die Sache mit etwas Zombieapokalypse zu würzen. Das Buch wurde zum Bestseller, und noch vor Veröffentlichung 2009 wurden auch die Filmrechte verkauft. Von Beginn an war die Schauspielerin Natalie Portman als Produzentin an Bord, und der Plan war, David O. Russell die Regie anzuvertrauen. Doch wie Hollywood so spielt: Das Projekt wurde wieder und wieder verschoben, Russell gewann mit Filmen wie "Silver Linings" und "American Hustle" Renommee und Oscarnominierungen. Nun erst kommt der fertige Film ins Kino, mit bescheidenen Kritiken. Doch das ist möglicherweise auf die Produktionsgeschichte des Films zurückzuführen.

Wer mit Jane Austens Vorlage und ihrem Sprachduktus vertraut ist und wem beim Gedanken an Innereien nicht gleich flau im Magen wird, dem beschert Burr Steers' Film ein spezielles Vergnügen: Völlig albern ist natürlich die Annahme eines Englands im frühen 19. Jhdt, das geplagt wird von Zombiehorden, während sich die bessere Gesellschaft mit der betrüblichen Situation arrangiert, gelegentliche Zombiebisse bei Teegesellschaften eben durch Liquidierung der Betroffenen ahndet, und ansonsten weiterhin auf lukrative Heiraten für ihre Töchter aus ist.

Zu deren Ausbildung gehört sinnvollerweise dann nicht nur Malerei, Musik und Stickerei, sondern auch Schwert- und Nahkampftechnik. Überraschenderweise funktioniert das ganz ausgezeichnet: Was Tonfall und Dialoge betrifft, hält sich der Film eng an Austen, und das nicht augenzwinkernd, sondern mit vollem Ernst. Erst wo der Film von Austen abweicht, gerät er in handelsübliches Horrorfahrwasser. Zum Fürchten ist nichts davon, faulende Gedärme und rollende Köpfe bleiben großteils geschmackvoll außerhalb des Bilds.

"Stolz und Vorurteil und Zombies" ist ein ausgesprochen übermütiger Film, in dem bebende Busen in Empirekleidchen, tiefe Blicke und gehauchte Schreckenslaute vorkommen, aber eben auch Dolche in Strumpfbändern, und junge Frauen, die alle naselang zu Lebensretterinnen werden. Die sprichwörtlich schlagfertige Elizabeth Bennet (Lily James), die in Austens "Stolz und Vorurteil" zur Schablone für so viele gute junge Buch- und Filmheldinnen wurde, wird hier handgreiflich, was in einer hinreißenden Szene zwischen Lizzie Bennet und Mr. Darcy (dem ausgezeichnet besetzten Sam Riley) gipfelt, in der die beiden ihren romantisch schwelenden Konflikt in einem Faustkampf austragen. Und damit ist sie eine weitere wehrhafte junge Heldin, wie sie in den letzten Jahren immer wieder zu Publikumsmagneten im Kino wurden.

Die Geschichte um die widerspenstige Elizabeth Bennet und ihre heiratswilligen Schwestern wird regelmäßig neu verfilmt und modernisiert, selbst die Struktur und die Charaktere von "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" basieren auf "Stolz und Vorurteil". Insofern muss es nicht überraschen, dass Austen sogar Zombies aushält. Und die Sache ist noch nicht ausgestanden: Ein Comic, basierend auf dem Buch, ist längst erschienen, ebenso ein Computerspiel. Und nun ist offenbar ein Film-Prequel geplant, das erzählt, wie die Bennet-Schwestern zu so kompetenten Zombiekillerinnen wurden. Der Metatext wuchert weiter.

Film: Stolz und Vorurteil und Zombies. Literaturverfilmung, USA/GB 2016. Regie: Burr Steers. Mit: Lily James, Sam Riley u. a. Start: 10. 6.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.08.2018 um 11:23 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/neu-im-kino-auf-in-den-kampf-die-zombies-sind-da-1380043

Schlagzeilen