Kunst

Neuer Linzer Landestheater-Intendant mit "Falstaff"

Mit Giuseppe Verdis letzter Oper "Falstaff" hat der neue Intendant des Linzer Landestheaters, Hermann Schneider, am Freitag im Musiktheater seine erste Spielzeit eröffnet. Orchester-Chef Dennis Russell Davies hatte sich das Werk für den Auftakt zu seiner letzten Linzer Saison gewünscht. Schon der Auftrittsapplaus für den Dirigenten und sein Bruckner Orchester Linz hatte Sympathiecharakter.

Neuer Linzer Landestheater-Intendant mit "Falstaff" SN/APA (Landestheater Linz)/PATRICK
"Falstaff" im Zeichen sozialer Umwälzungen.

Die Inszenierung des Erfurter Intendanten Guy Montavon arbeitete in erster Linie die gesellschaftlichen Umbrüche des späten 19. Jahrhunderts - der Entstehungszeit der Oper - heraus. Der Adel hat an Einfluss verloren - Sir John Falstaff ist zum Obdachlosen herunter gekommen, der aber dennoch seinen innere Würde pflegt. Eine neureiche bürgerliche Schicht ist nun am Ruder, hier demonstriert an Ford als Geld scheffelnder und ausgebender Munitions-Fabrikant. Die Frauen treiben ihr böses Spiel mit dem Schwerenöter Falstaff bis sich in der Parkszene zum Schluss alles in Wohlgefallen auflöst.

Giuseppe Verdis Musik für diese "Commedia lirica" erblühte vor allem aus dem Orchestergraben. Unter der umsichtigen Leitung des Dirigenten zeigten die Musikerinnen und Musiker einmal mehr ihre hohe Spielkultur, die in Verdis zauberhafter Musik des dritten Aktes ihren Höhepunkt erreichte. Gebannt vergaß das Publikum nach dem Verklingen des letzten Fugen-Akkordes fast aufs Applaudieren - was dann umso heftiger ausfiel.

Für die Titelpartie verpflichtete man den italienischen Bariton Federico Longhi. Er hat im Laufe seiner Karriere im "Falstaff" stets den Ford gesungen. In Linz kam es zum Rollendebüt. Longhi fehlte es zwar etwas an profunder Tiefe der Rolle, aber mit großer musikalischer Gestaltung reihte er sich zweifellos in die Reihe prominenter Falstaff-Interpreten ein. Dazu überzeugte er darstellerisch.

Auch für Fenja Lukas in der kleinen Partie der Nanetta blieb für ihren vor allem in der märchenhaften Parkszene des dritten Aktes berührenden Gesang noch reichlich Jubel übrig. Den musikalischen Erfolg konnten zudem die Interpreten der weiteren Rollen für sich in Anspruch nehmen: Martin Achrainer als Ford, Myung Joo Lee als seine Frau Alice, Christa Ratzenböck als Mrs. Quickly, Martha Hirschmann als Mrs. Meg Page sowie die Herren Jacques le Roux (Fenton), Pedro Velazquez Diaz (Dr. Cajus) sowie Matthäus Schmidlechner und Dominik Nekel (Bardolfo und Pistola).

Für das Finale hat Bühnenbildner Hank Irwin Kittel, der auch die der Zeit angepassten Kostüme entwarf, eine optische Lösung entworfen, die sich zwischen fantastischem Realismus und Jahrmarktmilieu bewegte. Falstaff in diesem Umfeld als Clown zu kostümieren, entpuppte sich als hübscher Einfall.

Quelle: APA

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