Kunst

Neuer Städel-Chef Demandt lässt erste neue Akzente erkennen

Von der "Bestbesetzung" spricht die Findungskommission des Museums: Der neue Chef des Städel, Philipp Demandt, kommt mit viel Vorschusslorbeeren von Berlin nach Frankfurt. Ab 1. Oktober wird er wie sein Vorgänger Max Hollein als Dreifach-Direktor neben dem Städel auch für die dazu gehörende Skulpturensammlung im Liebieghaus sowie die Ausstellungshalle Schirn verantwortlich sein.

Neuer Städel-Chef Demandt lässt erste neue Akzente erkennen SN/APA (dpa)/Boris Roessler
Philipp Demandt ist neuer Städel-Direktor.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Frankfurt gibt sich der eloquente Demandt, bisher Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin, erwartungsgemäß zurückhaltend. Der 45-Jährige verspricht am Donnerstag Kontinuität. Er geizt nicht mit Lob für den nach San Francisco abgewanderten Österreicher Hollein, der mit bundesweit viel beachteten Ausstellungen als Vater des Frankfurter Museumswunders gilt. Erste neue Akzente, die von Demandt auch verlangt werden, werden aber schon deutlich.

Ein Ziel: Er will die Balance zwischen großen und mittelgroßen Ausstellungen austarieren, wie er ankündigt. Wer will, kann daraus schon eine leise Kritik am bisherigen Konzept rauslesen. Der mit Banken und anderen Großsponsoren bestens vernetzte Hollein, auch ein gelernter Betriebswirt, hat mit Blockbuster-Events wie zu Botticelli oder Dürer für viel Wirbel gesorgt. Diese teuren Ausstellungen haben stets fast alle öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Thematisch innovativ waren sie aber nicht unbedingt.

An der Ausrichtung der drei Einrichtungen mit ihren rund 250 Mitarbeitern wird sich nichts ändern - das macht der promovierte Kunsthistoriker Demandt auch klar. Die Schirn soll weiterhin für ein eher jüngeres Publikum das "Haus der Entdeckungen" bleiben - wie mit der gerade zu Ende gegangenen großen Ausstellung zur Geschichte der US-Comics.

Dabei soll die Kunsthalle, die keine eigene Sammlung besitzt, weiter vom großen Städel-Bestand profitieren. Das Liebieghaus wiederum liegt Demandt besonders am Herzen, da er nicht nur Spezialist für das 19. Jahrhundert ist, sondern auch für Skulpturen. Im Städel hat er sich zum Ziel gesetzt, den gesamten Bestand auch online zugänglich zu machen. Das Museum hat bereits unter Hollein mit multimedialen Aufbereitungen anerkannte Pionierarbeit geleistet.

Generell gehört zu den Aufgaben eines großen Museums das Sammeln, Forschen, das Erhalten von Gemälden und die Vermittlung der Bestände über Ausstellungen. So sieht es auch Demandt, dessen Vater ein aus Marburg stammender Althistoriker ist. Wichtig ist es ihm dabei, dass Geschichten erzählt werden. "Unser Fach heißt nicht Kunst, sondern Kunstgeschichte", sagt er.

In Berlin hat Demandt mit originellen Ausstellungen wie etwa zum italienischen Tierbildhauer Rembrandt Bugatti - dem Bruder des gleichnamigen Autokonstrukteurs - oder zur Kunstwende vom Impressionismus zum Expressionismus auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt hat er eine Sonderschau zu Caspar David Friedrichs Meisterwerken ("Der Mönch ist zurück") mitverantwortet.

In Frankfurt freut man sich nun, dass aus der deutschen Kulturhauptstadt Berlin ein namhafter Museumsmann abgeworben werden konnte. In den vergangenen Jahren lief es eher umgekehrt. Der frühere Leiter des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK), Udo Kittelmann, ist heute Direktor der Nationalgalerie in Berlin. "Gute Mitarbeiter lässt man immer sehr ungern ziehen", sagte er zum Umzug Demandts.

Dieser - mit einem "Kopf voller Ideen" - muss sich aber gedulden. Die Ausstellungen für die kommenden zwei Jahre sind in den drei Frankfurter Häusern angesichts langer Vorlaufzeiten weitgehend disponiert.

Quelle: Apa/Dpa

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