Kunst

Neues Album von Metallica: Millionäre befreien sich mit Härte von der Wut

Metallica besinnen sich auf dem ersten Bandalbum seit acht Jahren der harten Wurzeln ihrer Frühzeit.

Wie glaubwürdig ist Musik gewordene Wut, wenn sie von Millionären vorgespielt wird? Und gibt es ihn tatsächlich noch, den ehrlich heiligen Zorn, wenn der Erfolg doch übermächtig wirkt? Ein bisserl lächerlich mutet es schon an, wenn von innerem Drang oder gar künstlerischem Auftrag berichtet wird und es bloß um das nächste Album von Metallica geht. Nun tun die Mitglieder der US-Band auf dem neuen Album aber halt einfach das, womit sie einst begonnen haben. Sie rasen. Sie hämmern. Sie schreien sich Dämonen aus dem Leib.

Das ist der Job dieser Band, die mittlerweile zu den größten des Planeten gehört. Rund 110 Millionen Tonträger haben sich verkauft seit Anfang der 1980er-Jahre. Und an diese rohen Anfangsjahre, an eine Zeit, als sie einen harten Fankreis bearbeiteten und noch keineswegs wie später Massen zum Toben brachten, erinnert das neue Werk "Hardwired . . . To Self-Destruct".

Sie wollen Gas geben - acht Jahre nachdem mit "Death Magnetic" das bisher letzte reine Bandalbum erschienen war. Dazwischen hatten sie Fans und Kritiker gleichermaßen unglücklich gemacht durch eine Zusammenarbeit mit Lou Reed, mit dem das missratene, überambitioniert Kunstprojekt "Lulu" entstand. Kunst in solch hintergründigem Sinn war nie Metallicas Sache.

Dementsprechend klug scheint es, dass nun wieder ewige Erwartungen erfüllt werden. Dem Eindruck, sich zu wiederholen und so auch langweilig oder austauschbar zu werden, tritt Sänger James Hetfield allerdings gleich entgegen. "Die einzigen Menschen, denen wir etwas beweisen wollen, sind wir selbst", sagte der 53-Jährige. "Wir wollen Musik machen, auf die wir stolz sind. Ob es die Leute mögen oder nicht - das können wir nicht kontrollieren."

Schlagzeuger Lars Ulrich, der die Band mit Hetfield 1981 in Los Angeles gegründet hat, ist mit dem Ergebnis des elften Studiowerks wenig überraschend zufrieden. "Vor ein paar Tagen hörte ich das Album im Flug nach San Francisco, und es klang großartig", sagte er.

Tatsächlich ist es so, dass das neue Album für jene Mitläufer nichts ist, denen Metallica in den 1990er- und 2000er-Jahren einfach konsumierbare Rockware lieferte. Viel zu schnell, viel zu laut, viel zu - nun ja - wütend geht es zu. Tatsächlich ist das Kurzatmige zu spüren, mit dem Metallica vor gut 30 Jahren auf Werken wie "Kill 'em All" oder "Master of Puppets" Raserei und Schweißausbrüche provozierten - aber eben nur in der recht überschaubaren Community der Heavy-Metal-Fans.

Glasklare Härte, rabiate Gesangslinien, brutaler Bass und ein Schlagzeug, das Erdbeben erzeugen will - diesen Mix haben Metallica zur Hochform gebracht.

Wieso es so lang gedauert hat, einen Nachfolger zu "Death Magnetic" abzuliefern? "Das hätte nicht sein müssen, auch wenn wir viel um die Ohren hatten", sagt Hetfield. Er habe auch fast vergessen, "wie toll es ist, Musik zu kreieren, die von anderen Menschen gehört wird".

In düsteren Texten erzählt Hetfield nun unter anderem von den dunklen Seiten seiner Persönlichkeit. Das hat auch mit dem einst überraschenden und bald schon überragenden Ruhm zu tun, der dieser Band zufiel. "Ruhm kann eine dunkle, gefährliche Droge sein", erklärte er. "Wenn ich über die Dunkelheit schreibe, kann ich sie mit anderen teilen und besser damit umgehen." Und im Dunklen kommen - egal wie erfolgreich man ist - halt auch Wut und Ärger auf. Aber es gibt Mittel dagegen: Gitarre, Schlagzeug, Bass und eine Stimme, die nach Befreiung schreit.

Album: Metallica: "Hardwired . . . To Self-Destruct" (Universal Music).

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