Kunst

Österreich will sein Filmerbe bewahren

Das Filmarchiv Austria und das Österreichische Filmmuseum sollen bei der Erhaltung des filmischen Erbes in Österreich künftig enger zusammenarbeiten. Das geht aus einer Studie des Consulting-Unternehmens "paul und collegen" hervor, die im Auftrag der Sektion Kunst und Kultur im Bundeskanzleramt (BKA) erstellt wurde. Angestrebt wird ein "Film Preservation Center", das 2017 in Betrieb gehen soll.

Österreich will sein Filmerbe bewahren SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Filmmuseum und Filmarchiv sollen künftig enger kooperieren.

Das nationale filmische Erbe umfasst neben Filmen selbst auch begleitendes Material wie Dokumente, Prints, Fotos und technische Geräte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Um dieses in Zeiten der Digitalisierung zu sichern, braucht es neben genügend Lagerflächen auch die Kompetenz und Technologie, um Filme originalgetreu zu erhalten.

Während in Deutschland aus Platzmangel bereits mit der Vernichtung historischer Originalkopien begonnen wurde, will man in Österreich mit einem "klaren Bekenntnis zu analoger Langzeitsicherung" ein "europäisches Signal" senden. Diese sei sicherer und beständiger als die digitale Sicherung, erläutert eine Sprecherin des Kulturministeriums gegenüber der APA. In diesem Rahmen sollen künftig auch von digital produzierten Filmen, die vom Österreichischen Filminstitut (ÖFI) gefördert werden, analoge Archivkopien angefertigt werden.

Dringlich sei die Angelegenheit nicht zuletzt deshalb, weil mit der Wiener Synchro Film in diesem Jahr das letzte analog arbeitende Kopierwerk Österreichs insolvent gegangen ist. Das stellt auch Filmmuseum und Filmarchiv bei Erhalt, Umkopierung und Restaurierung von analogem Material vor (finanzielle) Herausforderungen. "Beide Vereine denken zur Zeit getrennt über die Erweiterung ihrer Infrastruktur nach, beide überlegen, wie sie mit dem schrittweisen Verschwinden wichtiger Dienstleister und Zulieferer im Bereich der analogen Filmtechnik umgehen", heißt es in der über 130 Seiten umfassenden Studie, die am heutigen Sonntag auf der Seite des BKA veröffentlicht wurde. Das erscheine "angesichts der Herausforderungen nicht zeitgemäß".

Die Studienautoren sprechen sich gegenüber der APA dezidiert gegen eine Fusion der beiden Archive aus, würden doch beide über unterschiedliche Profile und Fähigkeiten verfügen und jeweils "zur absoluten Weltspitze" gehören. So gelte das 1955 gegründete Filmarchiv als "wichtigster Zulieferer für historisches Filmmaterial mit Österreichbezug für Medien" und setze das 1964 gegründete Filmmuseum seine "Schwerpunkte entlang der Entwicklungslinien des Weltkinos". "Das zu vereinen, macht keinen Sinn", meint "paul und collegen"-Geschäftsführer Michael Paul zur APA. Synergiepotenziale gäbe es aber in den Bereichen Lagerung und Technik.

Erster Schritt zu einer stärkeren Zusammenarbeit ist die geplante Errichtung eines "Film Preservation Centers" - so der Arbeitstitel -, das nach Vorstellung des BKA Technik, Know-how und Filmvermittlung im analogen Bereich "unter einem Dach" vereint. Hierfür hat man bereits im Sommer den Maschinenpark der Synchro angekauft. Nun wird gemeinsam mit den beiden Vereinen sowie unter Einbeziehung der Branche und externer Experten über mögliche Modelle gesprochen.

Noch bis Ende des Jahres soll Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) ein Konzept vorgelegt werden, 2017 sollen vorerst Kopierwerk und Arbeitsmöglichkeiten für analoge Filmschaffende zugänglich sein. Bezüglich möglicher Standorte und finanziellem Rahmen will man - solange die verschiedenen Modelle und Varianten geprüft werden - noch keine Angaben machen. Als langfristige Perspektive sei jedoch auch der Ausbau bis hin zu einem Studienzentrum denkbar.

Vonseiten der Archive begrüßt man auf APA-Nachfrage die Bemühungen. "Ich habe hier erstmals, seitdem ich die Filmlandschaft beobachte, das Gefühl, dass sich die Republik Österreich ernsthaft dem Thema Filmerbe annimmt und auch verstanden hat, dass sie die öffentliche Aufgabe der Filmüberlieferung und der Filmerbebewahrung in den letzten Dekaden in einem auffälligen Maße geringer finanziert hat als es praktisch alle vergleichbaren europäischen Ländern tun", sagt Alexander Horwath, der noch bis Oktober 2017 dem Filmmuseum vorsteht. So erhalten beide Institutionen zusammen Bundessubventionen von insgesamt ungefähr 2,1 Millionen Euro im Jahr - "das ist ein Drittel bis ein Fünftel dessen, was die öffentliche Hand in kleineren Ländern wie Belgien, Schweiz, Niederlande oder Dänemark dem Thema widmet", so Horwath.

Einig ist man sich dahingehend, dass Österreich mit diesem Projekt "nicht nur seine Pflicht erfüllen kann", so Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger, "sondern dass das Thema analoges Filmerbe damit auch progressiver und verantwortungsvoller angegangen wird als in Ländern, wo man glaubt, mit der Digitalisierung alles erledigt zu haben". Er pocht ebenso auf eine rasche Umsetzung wie Horwath: Schließlich fehle es nach der Insolvenz der Synchro Film nicht nur den Archiven für Restaurierungsprojekte an der nötigen Infrastruktur, sondern auch Filmschaffenden und Künstlern, die mit analogem Material arbeiten.

Unterschiedliche Vorstellungen hat man jedoch, was die Gestaltung und den Standort eines derartigen Zentrums betrifft. Während Kieninger der APA die Langzeitarchivierung als erste Priorität nennt und einen Ausbau des bestehenden Depots des Filmarchivs in Laxenburg vorschlägt, schwebt Horwath ein zentraler Ort "mit Weiterbildungscharakter" vor. Wolle man ein Zentrum, das neben den Mitarbeitern der beiden Archive auch Filmschaffenden, Universitäten, Kunsthochschulen, internationalen Wissenschaftern und der interessierten Öffentlichkeit offensteht, "wäre ein nicht allzu abgelegener Ort richtiger", so Horwath. So sei etwa "ansatzweise im Gespräch" gewesen, ein solches Zentrum im Zuge der Errichtung des Haus der Geschichte in der Neuen Burg aufzubauen. "Das wäre sensationell", ist Horwath überzeugt, "die globale Filmwelt würde uns darum beneiden."

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.11.2018 um 07:04 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/oesterreich-will-sein-filmerbe-bewahren-970969

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