Kunst

"Open House" lädt zum Backstage-Besuch in Wiener Bauten

Einmal einen Blick in die Wiener Microsoft-Zentrale, in den Favoritner Wasserturm oder in neue mobile Studentenheime werfen: Das ermöglichen die "Open House"-Tage, die am 10. und 11. September zum inzwischen dritten Mal Besucher in spannende, üblicherweise aber nicht oder nur teils öffentlich zugängliche Wiener Gebäude laden. Zu besichtigen gibt es heuer auch einen der ersten Bauten Otto Wagners.

"Open House" lädt zum Backstage-Besuch in Wiener Bauten SN/APA (Neubauer)/HERBERT NEUBAUER
"Open House" ermöglicht Zugang zur k.k. privilegierten Österreichischen Länderbank.

82 Locations sind diesmal mit dabei. Die Idee der Veranstaltungsreihe - die 1992 in London ihren Anfang nahm und inzwischen in 30 Städten weltweit abgehalten wird -, ist, den Blick auf die gebaute Stadt zu schärfen und ohne Eintrittskosten oder Voranmeldung Lust auf Architektur zu machen. "Wir versuchen, die Gesamtheit der Stadt abzubilden", verwies Veranstalterin Iris Kaltenegger am Mittwoch auf die Breite des Angebots. Dieses reiche von historischen bis zu "brandneuen" Gebäuden.

Definitiv in die erste Kategorie fällt die ehemalige "k.k. privilegierte Österreichische Länderbank" in der Hohenstaufengasse unweit der Freyung. Der damalige Hauptsitz des Geldinstituts wurde 1884 fertiggestellt und war Wagners erster Auftrag aus öffentlicher Hand, sollte allerdings nicht die Bekanntheit der späteren Zentrale Am Hof erlangen. Seit Jahrzehnten wird der Bau vom Bundeskanzleramt genutzt und bleibt deshalb für die Öffentlichkeit verschlossen.

Für "Open House" macht man zwei Tage lang eine Ausnahme. Journalisten durften bereits am Mittwoch bei der Programmpräsentation einen ersten Blick wagen. "Hier lässt sich schon erkennen, wie Wagner seine Handschrift geformt hat", erklärte Architektin Ulla Unzeitig bei einer Kurzführung durch das Haus. So lassen sich am "ersten modernen Bürogebäude Wiens" mit Vestibül, Kassensaal und an die amerikanische Büroarchitektur angelehnten Arbeitszimmern bereits einige der später für den Stararchitekten typischen Merkmale erkennen.

So werden Konstruktionskomponenten des Gebäudes, etwa vernietete Stützkonstruktionen aus Eisen, nicht - wie damals üblich - versteckt. Zur Wahrung der Symmetrie ließ Wagner wiederum insgesamt 16 blinde Türen einbauen. Während sich die Vorderfront noch am Gründerzeitstil orientiert, ist die Fassade auf der Hinterseite schon extrem schlicht und von Zierrat befreit. Alles Vorboten einer Architektur, wie sie Wagner später bei der Postsparkasse - sie ist ebenfalls Teil von "Open House" - zur Meisterschaft brachte.

Unter den Gebäuden finden sich Büro- und Industrieareale ebenso wie Wohnstätten und Kultureinrichtungen. Die Hauptsitze von ÖBB und OMV, das Hochhaus Herrengasse, die Börse, das Umspannwerk Favoriten, der Klima-Wind-Kanal, das Alte Wagenwerk, die Sängerknaben-Konzerthalle "MuTh" und die Wotruba-Kirche sind nur einige der Häuser auf der Liste. Mehr als 30 Attraktionen kommen aus dem Wohnbau. Zu sehen gibt es beispielsweise den Ferdinand Lassalle Hof, Vorzeige-Gemeindebau des Roten Wien, ein zeitgenössisches Kleingartenhaus oder Studentenheime in Holzcontainerform. Auch Niederösterreich ist mit einer Handvoll Stationen vertreten - etwa mit dem Sanatorium Purkersdorf.

An vielen Schauplätzen werden am Veranstaltungswochenende auch Rundgänge mit Experten angeboten. Für sechs ausgewiesene Gebäude gibt es erstmals Kinderführungen.

Quelle: APA

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