Kunst

Ostbahn-"Klassentreffen": Dem Kurti "gheat da Proda"

"Mein Voda gheat da Proda und mia gheat die Bar" - diese legendäre Textzeile aus "Wirklich wahr" hat Dr. Kurt Ostbahn Freitagabend - zum wiederholten Mal - widerlegt: "Da Proda" - konkret: die Kaiserwiese - gheat dem Kurti (und man darf nicht ganz ohne Grund mutmaßen: die Bar auch).

Alles wie immer: Jederzeit textsichere Kurtologinnen und Kurtologen füllten die Open Air-Location im Mondschatten des Riesenrades bis auf den letzten Grashalm, waren mitgerissen, wehmütig, sentimental und begeistert ob der Performance des mittlerweile 67-Jährigen und seiner souveränen Band, seit zwei Jahren vom Alt-Meister liebevoll als "die Musiker meines Vertrauens" tituliert.

Willi Resetarits hat "Dr. Kurt Ostbahn" ja eigentlich bereits längst in Pension geschickt (nach einem gefühlten Dutzend "letzten" Konzerten). Und doch: So ungefähr alle zwei Jahre taucht der Kurti samt musikalischer Entourage auf der Kaiserwiese im Wiener Prater auf, und das - wenn man sich schon mal bequemt - jeweils gleich im Doppelpack.

Der erste "Klassentreffen"-Abend 2016 am Freitag (zweiter Termin Sonntagabend) bewies vor allem eines: Die 67 sind dem "Doktor" absolut nicht anzumerken. Herr Ostbahn steuert sich und seine Musiker routiniert und stilsicher durch das umfangreiche Repertoire, vom ZZ Top-Cover "Neiche Schoin" ("Sharp Dressed Man") über das "Zuckagoscherl" im New Orleans-Style, "Blattschuss" und Steve Millers "Joker" bis zur Endstation im legendären "Espresso Rosi". Wobei genau diese Loser-Hymne zwar wie immer beim Publikum gut funktionierte (Kurti-Motto für den Fan-Chor: "zierlicher Gesang"), aber in der Open Air-Dimension leider viel von ihrer beklemmenden Ausweglosigkeit einbüßt.

Über jedem Kurt Ostbahn-Konzert schwebt der Geist des allzu früh verstorbenen Literaten Günter Brödl, der den "Kurti" erfunden und die wesentlichsten Lyrics für dessen Songbook geschrieben hat. Und so war denn auch "57 Engel", einer der letzten Brödl-Texte, im ersten Zugaben-Set einer der intensivsten Momente des Abends. Nicht fehlen durfte dann natürlich noch der geniale Springsteen-Cover "Fire", gefolgt vom rotzigen "I hea Di klopfn" (die Ostbahn-Version von "I hear you knocking", das Dave Edmunds 1972 einen Hit bescherte). Kurz vor dem Anrainer-kompatiblen Ende der Show gegen 23.00 Uhr gab's noch "Wann de Musik vuabei ist" für den Heimweg der Ostbahn-Jünger.

Sonntagabend ist das zweite "Klassentreffen" 2016, bis zum nächsten Auftritt dauert es erfreulicherweise nicht wieder zwei Jahre, sondern "nur" bis zum 5. August 2017 (Burg Clam). Und wer es so lange nicht ohne "Kurti-live" aushält, sei getröstet: Dieser Tage ist die zweite Doppel-CD des "Klassentreffen"-Mitschnittes von 2014 erschienen - Volume 3 & 4 widmet sich den "Fremdkompositionen" (von "I brauch kan Dokta" bis "57er Chevy"), während Volume 1 & 2 den "Eigenkompositionen" vorbehalten war (beides erschienen auf dem Label des Konzertveranstalters E&A).

Quelle: APA

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