Kunst

Palast von Caserta in Süditalien erlebt Renaissance

Das Schloss von Caserta gilt als die italienische Version von Schönbrunn. Nicht weniger stattlich und prächtig verziert ist der Königspalast der neapolitanischen Bourbonen. Der Barockpalast, der 35 Kilometer nördlich von Neapel liegt, erlebt nach Jahren des Verfalls eine Renaissance. Dies ist einem neuen Direktor und der nach einer Reform erlangten Museumsautonomie zu verdanken.

Der Königspalast der Superlative, den König Karl VII. im 18. Jahrhundert errichten ließ, zählt über 1.200 Räume, 34 Treppen und mehr als 1.900 Fenster. Von hier aus regierten ab 1752 die Bourbonen über ihr "Königreich der beiden Sizilien", dem Neapel angehörte. Mit seiner Opulenz diente der 1751 von dem Architekten Luigi Vanvitelli entworfene Palast sogar als Filmkulisse für "Star Wars". Ein Glanzstück ist der 120 Hektar große Park mit seinen Brunnenanlagen. Eine drei Kilometer lange Zentralallee zieht sich durch einen Wald und verbindet das Schloss mit einem gewaltigen Wasserfall.

Zu den Attraktionen des Schlosses zählen eine prächtige Palastkapelle, drei aufeinanderfolgende Prunkzimmer, ein goldener Thronraum sowie eine Bibliothek und ein Hoftheater. Auch eine Pinakothek und eine neapolitanischen Krippensammlung aus dem 18. Jahrhundert hatte sich die Bourbonenfamilie einrichten lassen.

Trotz seines Prunks ist vielen ausländischen Touristen das "Schönbrunn Süditaliens" unbekannt. Zu wenig wurde das Schloss touristisch verwertet und vermarktet. Hinzu leidet das barocke Juwel unter den Problemen der Stadt Caserta, die als Hochburg der Camorra, der neapolitanischen Mafia, gilt. Müllentsorgungsprobleme, hohe Arbeitslosigkeit und Verfall belasten die 70.000 Einwohner-Stadt. Noch vor kurzem rasten Autos durch die Parkanlage. Die Wände des Schlosses wurden von Graffiti verunstaltet, fliegende Händler boten Touristen billige Souvenirs an.

Doch im vergangenen Jahr hat sich vieles geändert. Der aus Bologna stammende Manager Mauro Felicori ist vor einem Jahr von der italienischen Regierung zum Generaldirektor des Schlosses ernannt worden. Im Rahmen einer ehrgeizigen Museumsreform hat das Schloss seine Autonomie erlangt und kann jetzt auch international effizienter vermarktet werden.

Felicori hat frischen Wind in die süditalienische Trägheit gebracht, die im Schloss von Caserta herrschte. Seit Jahren gesperrte Säle wurden wieder geöffnet. Der Direktor setzt stark auf Kommunikation und Marketing und konnte prestigereiche Sponsoren gewinnen. Eine internationale Werbekampagne für Lederaccesoires wurde mit der spanischen Schauspielerin Penelope Cruz im Schloss von Caserta realisiert.

Die Resultate sind vor aller Augen. Seit Jahresbeginn ist die Besucherzahl um 30 Prozent angestiegen Bis Jahresende sollen 650.000 Eintrittskarten verkauft werden, im Vorjahr waren es 490.000. Die Übernachtungen in den Hotels der Umgebung stiegen um 20 Prozent. Die Sammlung "Terrae Motus" mit zeitgenössischen Kunstwerken, die der Sammler Lucio Amelio dem Schloss hinterlassen hatte, wird erstmals komplett ausgestellt. Im Sommer fanden Konzerte im Schlosspark statt, unter anderem unter der Leitung des britischen Dirigenten Antonio Pappano.

"Das Schloss von Caserta kann wegen seiner Schönheit mit Versailles verglichen werden. Der Unterschied ist, dass Versailles sieben Millionen Besucher pro Jahr zählt. Es besteht hier viel Aufholbedarf. Man muss noch stark in Vermarktung investieren. Wichtig ist, dass wir mit den lokalen Behörden in dieselbe Richtung rudern", berichtet Felicori.

Besonders stolz ist der Norditaliener darauf, dass er mit seinem Enthusiasmus das für seines Schlendrian bekannte Personal des Schlosses motivieren konnte. Wegen übertrieben hohen Krankheitsmeldungen waren früher immer wieder weite Teile des Palastes geschlossen worden. Damit ist jetzt Schluss. "Das Personal ist stolz, in einem derartigen Juwel arbeiten zu können", versichert Felicori.

Quelle: APA

Aufgerufen am 14.11.2018 um 08:44 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/palast-von-caserta-in-sueditalien-erlebt-renaissance-942529

Schlagzeilen