Kunst

Reichenau: Zweig-Dramatisierung als "Rührstück"

Mitleid, Verantwortung und Schuld sind zentrale Themen in Stefan Zweigs Roman "Ungeduld des Herzens", den Stefan Slupetzky im Auftrag der Festspiele Reichenau für die Bühne bearbeitet hat.

Reichenau: Zweig-Dramatisierung als "Rührstück" SN/apa (jäger)
Bühnenversion von Stefan Slupetzky.

Das Resultat - in der Inszenierung von Michael Gampe - ist allerdings wenig ergiebig: Herausgekommen ist ein langatmiges Rührstück. Premiere war am Freitagabend. "Burgtheater haben wir hier keines", sagt der Apotheker (Rainer Frieb) der ungarischen Garnisonsstadt zum jungen Leutnant Hofmiller (Claudius von Stolzmann), der hier - kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs - stationiert ist und dem er die Bekanntschaft mit dem reichen Gutsbesitzer von Kekesfalva (Marcello de Nardo) und dessen gelähmter Tochter Edith (Merle Wasmuth) vermittelt. Edith verliebt sich in Hofmiller, nachdem sich dieser bemüßigt gefühlt hat, ihr aus Höflichkeit und Mitleid Gesellschaft zu leisten. Jedoch, wie formuliert es der Arzt (Andre Pohl) doch so trefflich: "Wer mit Mitleid nicht bedachtsam umzugehen weiß, der soll die Finger davon lassen." Aus Verzweiflung stürzt sich Edith schließlich in die Tiefe, und Hofmiller bleibt die Einsicht: "Keine Schuld ist vergessen, solange noch das Gewissen um sie weiß."

Slupetzky hat den Romantitel zu "Ungeduld" gekürzt. Ungeduld kommt durchaus auch auf, wenn so manche Szene gar kein Ende nehmen will und der Appell an die Tränendrüsen allzu offensichtlich wird. Es sind die wunderbaren Schauspieler, die zu retten versuchen, was doch nicht zu retten ist: Rainer Frieb, wie er beim Schachspiel auf unnachahmliche Weise darauf hinweist, Magister zu sein, kein Doktor, und sich zuletzt in aller Emotionalität dagegen verwahrt, als Lügner diffamiert zu werden, de Nardo, der den müden Gutsherren in seinem besorgten Bemühen um die Tochter exzellent verkörpert, oder Andre Pohl, dessen zutiefst menschliche Empathie und Klugheit nichts ausrichten können gegen den Lauf der Dinge. Zentrales Bild: Als Edith aufsteht und auf Hofmiller zugeht, stürzt sie, er fängt sie nicht auf. Trotz gelungener Momente: insgesamt viel verlorene Liebesmüh.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.07.2018 um 07:44 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/reichenau-zweig-dramatisierung-als-ruehrstueck-5953279

Schlagzeilen