Kunst

"Ricki - Wie Familie so ist": Mama ist die Schlimmste

Rockstar und Rabenmutter: Meryl Streep spielt in "Ricki - Wie Familie so ist" eine Mama, die mit Erwartungen bricht. Woher hat ihre Autorin die Idee?


Oscarpreisträgerin Diablo Cody ("Juno") hat einen neuen Film geschrieben: "Ricki - Wie Familie so ist" handelt von einer Rocksängerin (Meryl Streep), die für die Musik ihre Familie verlassen hat. Nun braucht ihre erwachsene Tochter die Mama an ihrer Seite, doch im Haushalt des kreuzbraven Ex-Mannes (Kevin Kline) ist für Rocker-Ricki kein Platz. Regie: Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer").

SN: Viele Autoren und Musiker sagen, sie schreiben besser, wenn schlimme Dinge passieren. Sie sind jetzt schwanger und wirken sehr glücklich, fehlen dann die Ideen?
Cody: Ganz ehrlich? Ja, ich habe in letzter Zeit nicht viel geschrieben. Aber ich arbeite derzeit an einem Drehbuch über Barbie.

SN: Aber Barbie ist doch dieses Spielzeugweibchen mit den unmöglichen Körpermaßen. Wie passt das zusammen?
Ich gebe zu, es ist einschüchternd, einen Film zu schreiben, bei dem ein Spielzeuggigant involviert ist. Barbie ist eine Weltmarke und ich kann nicht recht glauben, dass die ausgerechnet mir diesen Film anvertrauen. Aber ich denke mir, die hätten nicht mich für das Drehbuch engagiert, wenn sie nicht etwas Schräges, Merkwürdiges wollten.

SN: Woher kommt die Idee zu "Ricki"?
Sie ist inspiriert von meiner Schwiegermutter Terry, die als Frontfrau einer Rock-'n'-Roll-Coverband zwei Mal die Woche auftritt. Wobei meine Schwiegermutter eine sehr gute Mutter ist, die ihre Familie nie verlassen hat. Und viel von Ricki stammt von Meryl Streep: Sie hat ihre Stimme gefunden, die Frisur, sie hat auch ihre Vorgeschichte erfunden. Es ist ein Luxus, wenn eine solche Schauspielerin mein Drehbuch zum Leben erweckt.

SN: Sie haben vor ein paar Jahren Regie geführt. Wollen Sie damit weitermachen?
Da bin ich derzeit im Ruhestand. Die Arbeit an "Paradise" (2013, Anm.) war das Anstrengendste, was ich je gemacht habe. Ich war auch damals gerade schwanger, ich hatte ein Krabbelkind und meine Mutter half mir aus, weil ich nicht zugleich Kind einfangen und Regie führen konnte. Mein Mann konnte nicht da sein, weil er in Los Angeles arbeitete, und ich war permanent erschöpft. Ich kenne Frauen mit kleinen Kindern, die ganz großartige Filme drehen, aber ich hatte nur das Gefühl, in lauter verschiedene Richtungen gezerrt zu werden.

SN: Das klingt, als wäre dieses Gefühl in "Ricki" eingeflossen.
Ja, sehr! Mein kleiner Sohn war damals erst 18 Monate alt, und er war während der Dreharbeiten eindeutig sauer auf mich. Ich kam heim und er wollte mich nicht sehen. Das war sehr schmerzhaft. Und ich dachte mir: Aha, so fängt es also an mit dem ständigen schlechten Gewissen einer berufstätigen Mutter.

SN: Sie arbeiten auch als Ghostwriterin an den Drehbüchern anderer Autoren. Was ist bei solchen Jobs Ihre Aufgabe?
Ich werde normalerweise geholt, um die weiblichen Figuren glaubwürdiger zu machen. Männliche Drehbuchautoren beschreiben Frauen frustrierend oft so: "Sie ist total scharf, aber ist sich dessen nicht bewusst." Ha! Cineasten verbinden meinen Namen positiv mit einer bestimmten Art von Kino, was mich freut. Aber es ist auch schön, anonym zu schreiben, weil ich da nicht genau das Diablo-Cody-Produkt abliefern muss, das die Leute von mir erwarten.

SN: Für eine Drehbuchautorin sind Sie eigentlich ungewöhnlich berühmt.
Das liegt wohl vor allem daran, dass ich mir einen albernen Namen ausgesucht habe. Wäre mein Name Jane Smith, würde niemand davon reden.

SN: Sind Sie immer noch glücklich mit Diablo Cody?
Nein, ich will den Namen unbedingt loswerden! Ich heiße eigentlich Brook Maurio, und bei diesem Film steht erstmals mein richtiger Name als Produzentin im Abspann, allerdings erkennt mich da niemand. Ich bin über Diablo Cody echt hinweg.

SN: Wie sind Sie eigentlich auf den Namen gekommen?
Ich war damals Bloggerin und hatte einen Job als Stripteasetänzerin, den ich aus Neugierde begonnen hatte. Aber ich wollte nicht, dass meine Eltern meinen Blog finden, weil es darin nur ums Strippen ging. Also überlegte ich mir einen Fantasienamen. Wie man das eben so macht.

Film: Ricki - Wie Familie so ist. Tragikomödie, USA 2015. Regie: Jonathan Demme. Mit Meryl Streep, Mamie Gummer, Rick Springfield, Kevin Kline. Start: 4. 9.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.09.2018 um 04:16 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/ricki-wie-familie-so-ist-mama-ist-die-schlimmste-2176810

Schlagzeilen