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Robert Pattinson: "Jetzt bin ich selbstsicherer"

David Cronenberg machte "Twilight"-Teenstar Robert Pattinson vom Vampir zum Börsenmilliardär - und damit salonfähig. Der Schauspieler im SN-Interview.

Robert Pattinson: "Jetzt bin ich selbstsicherer" SN/Einhorn
Gereifter Filmheld: Robert Pattinson in „Cosmopolis“.


Bisher ist Robert Pattinson vor allem Fans der "Twilight"-Vampirromanzen aufgefallen: Unter Teenagern ist er aufgrund der Filmserie ein Superstar. Versuche, in Erwachsenen-Filmen Fuß zu fassen, scheiterten bisher. Mit David Cronenbergs irritierendem Thriller "Cosmopolis" (nach dem gleichnamigen Bestseller von Don deLillo) jedoch feiert Pattinson seinen Durchbruch als ernsthafter Darsteller: Er spielt darin Eric Packer, einen milliardenschweren Börsianer, der einen Tag lang mit seiner Limousine quer durch Manhattan unterwegs ist zu einem Friseurtermin. Unterwegs trifft er die unterschiedlichsten Menschen (Juliette Binoche, Mathieu Amalric, Paul Giamatti), diskutiert mit ihnen, hat nebenbei Sex, muss sich bedrohen lassen, und allmählich gerät sein kapitalistisches Weltbild ins Wanken. Ein SN-Interview über Herausforderungen.

SN: Egal wo Sie hinkommen, Ihre "Twilight"-Fans sind vollkommen hysterisch. Was werden sie von dieser völlig anderen Rolle halten?

Pattinson: Eric ist eine sehr ungewöhnliche Figur, und ich hoffe natürlich, dass es auch meinen Fans gefällt, was ich da mache. Aber wenn nur einer von hundert, die vorher "Twilight" gelesen und gesehen haben, etwas mit "Cosmopolis" anfangen kann, bin ich schon glücklich.

SN: Sie haben vor Kurzem in einem Interview gesagt, Sie wollten keine Filme für Teenager mehr machen.

Pattinson: Da wurde ich falsch verstanden. Der größte Anteil an Zuschauern im Kino sind doch junge Leute, ich würde doch nie sagen, dass ich keine Filme mehr für sie machen will! Wenn Teenager diesen Film hier mögen, dann finde ich das großartig. Ich finde nicht, dass irgendetwas in "Cosmopolis" besonders schlimm ist, mich hätte das alles nicht schockiert, als ich 13 war.

SN: Sie hatten ein turbulentes vergangenes Jahr: Die "Twilight"-Saga ist abgedreht, und Sie haben bei einer Reihe ganz neuer Projekte unterschrieben. Was war denn der beste Moment?

Pattinson: Mit "Cosmopolis" nach Cannes eingeladen zu werden! Dass wir im Wettbewerb waren, hat mir sehr viel bedeutet, davon hatte ich schon seit ungefähr zehn Jahren geträumt. All die Jahre während der Arbeit an den "Twilight"-Filmen habe ich dieselben Interviewfragen gehört: "Hast du Angst, dass du nur mehr als Teenievampir gecastet wirst? Hast du Angst, dass du danach nie wieder einen Job kriegst?" Und dann bringt mich der erste Job danach nach Cannes! Ich glaube, unser Film ist das Beste, was ich je gemacht habe.

SN: Eric Packer, den Sie in "Cosmopolis" spielen, ist ein eigentümlicher Typ.

Pattinson: Ja, aber ich habe gleich zu Beginn etwas gefunden, das mich sehr mit ihm verbindet, nämlich der Humor. Es ist lustig, alle meinen, der Film sei ein großes Statement über die Finanzkrise. Mich hat aber vor allem dieser seltsame Witz sehr angesprochen, und dass es ein fast lyrischer Text ist. Ich mochte die Struktur der Sätze, ich mag, wie sie instinktiv richtig klingen.

SN: Was ist Ihre liebste Textzeile?

Pattinson: "Das sind meine Erdnüsse, die du da riechst." Aber da gibt’s noch mehr, das ich hier lieber nicht zitiere. "Cosmopolis" ist einer der Filme, bei denen man komplett danebenstehen kann, wenn man nicht von Beginn an alles mitbekommt. Ich finde den Film zum Niederknien komisch. Manche der Sätze, die Paul Giamatti am Ende zu mir sagt, sind großartig: "Ich habe soeben meine koreanische Panikattacke", oder "Ich glaube, mein Sexualorgan zieht sich grade in meinen Körper zurück". Dass aus solchen Dialogen ein Film wird, ist grandios.

SN: Suchen Sie heute Ihre Rollen anders aus als noch vor ein paar Jahren?

Pattinson: Klar, ich bin jetzt älter und selbstsicherer. Ich hatte immer Angst, dass ich nie Rollen wie diese hier angeboten bekommen würde. Aber nach einem solchen Projekt beginnt man auf einmal, über sich selbst als Schauspieler anders nachzudenken. Ich habe nun bei einer Reihe von Projekten unterschrieben, die ich mir letztes Jahr um dieselbe Zeit schlicht noch nicht zugetraut hätte. Bei einem spiele ich einen der Soldaten, die dabei waren, als Saddam Hussein gefasst wurde. Zur Vorbereitung habe ich den Mann kennengelernt, und für ihn ist es natürlich sehr wichtig, dass wir das richtig hinbekommen. Das ist ein ganz schöner Druck - und das mag ich.

Cosmopolis. Thriller, Frankreich/Kanada 2012. Regie: David Cronenberg. Mit Robert Pattinson, Juliette Binoche, Paul Giamatti, Sarah Gadon, Mathieu Amalric. Start: 5. 7.

Quelle: (SN).

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