Kunst

Roland Kaiser: Europa muss in der Flüchtlingsfrage solidarisch sein

Sänger Roland Kaiser erhebt immer wieder seine Stimme in politischen Debatten.

Roland Kaiser: Europa muss in der Flüchtlingsfrage solidarisch sein SN/dpa/Gloriella/Thomas Nitz
Roland Kaiser

Die islam- und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung hat er in ihrer Hochburg Dresden kritisiert. Auch um Europa sorgt er sich.

Der Sänger Roland Kaiser hat in der Flüchtlingsfrage einen fehlenden Zusammenhalt der europäischen Länder beklagt. Wenn das vereinte Europa in dieser Frage solidarisch wäre und die einzelnen Länder Flüchtlinge gemessen an ihren Bevölkerungszahlen aufnehmen würden, wäre das Problem auch lösbar, sagte der 64 Jahre alte Künstler am Wochenende am Rande eines Auftrittes in Dresden. Deutschland käme in diesem Fall auf vielleicht 300 000 oder 400 000 Flüchtlinge. "Das wäre immer noch unterhalb der Grenze an Zuwanderung, die wir ohnehin pro Jahr brauchten, um unser Leben hier aufrecht zu erhalten." Schwierig sei es nur, wenn Deutschland, Österreich und Schweden das Problem allein lösen müssten: "Das wird nicht klappen. Das ist eine große Gefahr für das vereinte Europa."

Kaiser, der SPD-Mitglied ist und in diesem Jahr mit einem "Echo" für sein soziales Engagement geehrt wurde, blickt dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft. "Ich bin ein Optimist. Ich hoffe, dass die verantwortlichen Politiker Lösungen finden, die das geeinte Europa nicht auseinanderdriften lassen." Denn alles andere würde bedeuten, dass Europa keine Stimme mehr in der Welt habe. Die aktuelle Entwicklung mache ihn Sorge, sagte er mit Blick auf einen Rechtsruck in einigen Ländern. Solche Strömungen würden meist dann entstehen, wenn "die etablierten Parteien keine Antworten finden und Themen nicht aufgreifen, die den Leuten auf der Seele brennen".

Bei seinen Auftritten in Dresden, wo Kaiser eine besonders große Fangemeinde besitzt, hatte er immer wieder Stellung gegen die islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bewegung bezogen. Auf die Frage, ob er damit nicht auch Teile seines Publikums verprellt habe, sagte der Künstler: "Ich kann meine persönlichen politischen Meinungen und meine Verantwortung und Dankbarkeit, die ich spüre, nicht abhängig machen von merkantilen Interessen." Wenn Leute sich da abwenden, müsse er das einfach hinnehmen: "Ich habe zum Dialog aufgerufen. Ich war kein spaltender, sondern ein versöhnender Mensch. Wer mir das übel nimmt, muss damit fertig werden."

Verleumderische Facebook-Kommentare lese er nicht. "Ich will solchen Heckenschützen einfach kein Umfeld in meinem Leben bieten", sagte Kaiser. Soziales Engagement habe für ihn einen hohen Stellenwert. "Jedes soziale Gefüge würde ohne soziales Engagement zusammenbrechen. Das ist eine große Leistung, die Menschen täglich vollbringen." Als Künstler empfinde er die Verpflichtung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Schließlich befinde er sich auf der Sonnenseite des Lebens. Irgendwann von der Welt zu gehen und nur Geld verdient zu haben, sei für ihn "ein bisschen wenig".

Quelle: Dpa

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