Kunst

Salzburg: Als Till noch Ritter Kamenbert hieß

Dieser Mann leistete Kinderarbeit. Wacker und aufrecht. Es hat ihm nicht geschadet. Im Gegenteil.

Salzburg: Als Till noch Ritter Kamenbert hieß SN/s.riepl/theaterecce
Till geht um! Gespielt wird er von Ben Blaikner. Im Bild zu sehen ist Till mit seiner Angebeteten Nele (Larissa Enzi).

Zwei Wörter sind es nur. Und, ganz egal, ob Frau oder Mann. Die Augen des Gegenüber beginnen meist zu glänzen. Nein, hoppala: Hier geht es nicht ums Anbandeln. Hier geht es um ganz persönliche Erinnerungen. An einen ersten Theaterbesuch. An Lider, die sich für immer ins Gedächtnis einbrannten.

Die zwei Wörter, die wirken wie der Knopfdruck auf eine Zeitmaschine lauten schlicht: "Ritter Kamenbert." Das Stück über diesen Ehrenmann, der so viel Spaß in das Leben unzähliger Kinder brachte, wurde vor 25 Jahren erstmals aufgeführt.

Am 28. November 1991 hatte Peter Blaikners Kindermusical "Ritter Kamenbert" (Musik: Cosi M. Goehlert und Ernst Wolfsgruber) Premiere. Und zwar an der alten Elisabethbühne unter der Elisabethkirche. Seither sahen dieses Stück im deutschen Sprachraum über eine Million Kinder, Jugendliche - und Eltern. In der Spielzeit 1995/96 landete "Ritter Kamenbert" auf Platz 19 im Ranking der Theaterstücke mit den höchsten Aufführungszahlen im deutschen Sprachraum. Eingeklemmt praktisch zwischen Goethes "Faust 1" und Brechts "Dreigroschenoper".

Einer, der schon damals, ganz im Sinne der Kunst lebte war Ben. Der Sohn von Peter Blaikner. Ben war in der Entstehungsphase von Ritter Kamenbert sechs Jahre alt. Sein Bruder Peter acht. Sie waren so etwas wie Crashtest-Dummies. Also eine Art Versuchskaninchen für den Herrn Papa. Der schrieb die Szenen, die zwei Buben spielten sie im Kinderzimmer nach und machten die Probe auf's Exempel. In Echtzeit wurde gecheckt, ob der Humor funktioniert und die Pointen saßen. Sie taten es.

Jetzt, 25 Jahre später, verwandelt sich Ben Pascal, so heißt Ben Blaikner im Künstlernamen, in einen Philosophen mit roter Kasperlmütze. Er schlüpft in die Rolle von Till Eulenspiegel. Ben Pascal Blaikner, er hat Philosophie studiert, ist Schauspieler, Tänzer und Musiker. Er schlüpft nun in die Rolle des Till Eulenspiegel. Und er hat dadurch vermutlich eine Art Déjà-vu-Erlebnis. Denn dieses Theaterstück schrieb auch der Herr Papa, also Peter Blaikner. Die Musik stammt von Konstantin Wecker. Inszeniert wird die Wiederaufnahme des lustigen Stücks durch Reinhold Tritscher vom Theater Ecce.

Wer kennt ihn nicht? Till Eulenspiegel, den mittelalterlichen Schelm, der halb Europa zum Narren gehalten hat.

Im turbulenten Blaikner-Musical treibt Till, der erste Comedian, seine wilden Späße mit der Herzogin von Zeckenburg, der Wirtin, mit dem Pfarrer, mit dem Gesundheitsminister und vor allem mit dem Polizeikommissar von Wanzenreich, Gustav Höllriegl, der ihn fassen will, koste es, was es wolle. Denn Gesetz ist Gesetz! Und basta!

Noch dazu hat sich Till in Höllriegls Tochter Nele verliebt. Und das geht nun gar nicht.

Tritscher: "Wenn Till Eulenspiegel auch alle an der Nase herumführt, so hat er doch das Herz am richtigen Fleck."
Till EulenspiegelTheater Ecce im Oval (Europark), Tickets für Vormittagsvorstellungen: 0664/ 574 07 03; Tickets für Nachmittagsvorstellungen: Kartenbüro Neubaur im Europark 0662 84 51 10; alle Termine finden Sie unter www.oval.at






Aufgerufen am 14.11.2018 um 02:20 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/salzburg-als-till-noch-ritter-kamenbert-hiess-816175

Schlagzeilen