Kunst

"Jedermann" Tobias Moretti: Der Favorit zögerte

Zweimal hat er schon abgesagt für die Rolle, die andere schon per se als Krönung ihrer Schauspielerkarriere empfinden, aber 2017 macht er ihn nun doch, den "Jedermann" am Salzburger Domplatz.

"Jedermann" Tobias Moretti: Der Favorit zögerte SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Der neue „Jedermann“: Tobias Moretti.

Tobias Moretti hat sich "die Entscheidung nicht leicht gemacht", wie er am Donnerstag bei seiner in der Gerüchteküche längst erhofften Präsentation erklärte. Den Hofmannsthal'schen Jedermann mit "all seinen Diskrepanzen" könne man heute nicht mehr spielen wie früher, man müsse das Stück neu sichten, "einen Weg der Brechung" gehen, so Moretti. Obwohl die Inszenierung von Julian Crouch und Brian Mertes beibehalten wird, kam man ihm entgegen - und wird das Stück "neu aufsetzen", auf Basis der bestehenden Inszenierung. Seine Unterschrift setzte er dennoch erst nach langem Zögern unter den Vertrag.

Die Favoritenrolle hat sich der 57-jährige gebürtige Tiroler durch seine jahrelange Präsenz nicht nur in Theater, Film und Fernsehen, sondern auch bei den Salzburger Festspielen gesichert. Im "Jedermann" spielte er bereits die Doppelrolle des "Teufel" und "Guten Gesell" (2002-2005) unter Jürgen Flimm, bei den Festspielen außerdem in Martin Kusejs Inszenierung von "König Ottokar", die bis 2009 auch am Burgtheater lief. Seinen gefeierten "Faust" gab er dort von 2009 bis 2012.

Seine breite Popularität verdankt er allerdings dem Fernsehen. Für ein Millionenpublikum spielte er den Freiheitshelden Andreas Hofer ("Die Freiheit des Adlers") und den Richie Moser in "Kommissar Rex". Zu seinen jüngsten Kinofilmen zählen unter anderen "Jud Süß - Film ohne Gewissen", "Das finstere Tal", "Hirngespinster", "Der Vampir auf der Couch" oder "Das ewige Leben". Seit einigen Jahren führt Moretti auch erfolgreich Regie, unter anderem im Theater an der Wien.

Am 11. Juli 1959 in Gries am Brenner als Tobias Bloeb geboren, studierte Moretti zunächst Musik an der Wiener Musikuni. Nach seiner Theaterausbildung an der Otto Falckenberg Hochschule München wechselte er noch während seines ersten Engagements am Staatstheater Hannover zu Frank Baumbauer ans Residenztheater München und in die Münchner Kammerspiele, von wo aus er eine steile Bühnenkarriere startete.

Morettis Leistungen wurden vielfach gewürdigt: Er erhielt unter anderem den Bayerischen Filmpreis (1995 und 2014), die Silver Tulip (1997), den Bayerischen Fernsehpreis (1999), den Grimme-Preis (2000, 2002) sowie mehrfach die Romy (zuletzt 2016). Für König Ottokar wurde er 2006 mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ausgezeichnet. 2014 erhielt er den Deutschen Filmpreis und im Frühjahr 2015 den Großen Schauspielpreis der Diagonale. 2015 bekam er den "Bambi" als bester Schauspieler für "Das Zeugenhaus".

Quelle: APA

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