Kunst

Salzburger Festspiele: Jubel für das "Oratorium balbulum"

Das "Oratorium balbulum" von Péter Eötvös wurde von den Auftraggebern, den Wiener Philharmonikern, uraufgeführt und erntete ungeteilten Publikumsjubel. Der Text voll Witz und Weisheit stammt von Péter Esterházy.

Salzburger Festspiele: Jubel für das "Oratorium balbulum" SN/sf/anne zeuner
Péter Eötvös SF/ANNE ZEUNER

Er hätte eigentlich auch das Konzert gleich selbst dirigieren können, so aber beließ es Péter Eötvös dabei, im Großen Festspielhaus einfach der Uraufführung zu lauschen - und sich nach seinem Oratorium einhellig bejubeln zu lassen als Komponist. Es wäre schön gewesen, wenn an seiner Seite auch der Librettist Péter Esterházy gestanden wäre, der große ungarische Autor ist am 14. Juli verstorben. Ihm widmeten die Festspiele dieses Konzert. Da haben sich zwei gefunden, Freunde ohnehin, gesegnet mit viel Humor, ungarischem, und dennoch unmittelbar wirksam. Péter Eötvös erhielt den Auftrag von den Wiener Philharmonikern, ein Oratorium zu komponieren. Das einstündige Werk "Halleluja - Oratorium balbulum" voller Heiterkeit und Tiefgang, Witz und Weisheit, viel Originalmusik und ironischen Zitaten schlug ein. Er habe es ausdrücklich für "großes Publikum" komponiert, sagt Eötvös, doch angebiedert hat er sich nicht. Sehr viele Hallelujas habe Esterházy in seinem Text geschrieben, sagt Eötvös, er fand welche bei Bach oder Mussorgski, Mozart (für Frauenstimmen) und Bruckner (für Männerstimmen) kombinierte er sogar. Eines klingt nach Bartók, auch wenn dieser keines schrieb. Auch andere Anweisungen sind da für den Chor, "girl, girl, girl" (Beatles-Zitat, mit dem Seufzer von Lennon). Ein herrliches Puzzle für Feinspitze.

Vor allem komponierte Eötvös passgenau für seine Idealbesetzung. Das Orchester erhielt ein reizvolles Breitwandgemälde voller Herausforderungen, Daniel Harding dirigierte konzentriert. Ausgezeichnet war der Chor des Ungarischen Rundfunks. Peter Simonischek war der prächtige "Narrator", der melodramatisch kommentiert, erklärt und die Szenen vorgibt. Es gibt einen komischen Engel, Iris Vermillion mit ihrem dunklen, vollen Mezzosopran verstand es, die Rolle dieses leicht angetrunkenen Besserwissers wunderbar zu erfüllen. Hauptfigur ist der Prophet, Esterházy hatte den Notker Balbulus, den Stotterer aus dem Mittelalter, vor Augen. Und so stottert sich Topi Lehtipuu mit hellem Tenor durch die Partitur. Wenn er zu Weissagungen ansetzt, sind die Ereignisse längst eingetroffen. Ein dramaturgischer Trick, denn eigentlich gibt es heutzutage keine Zukunft mehr, die jemand vorhersagen könnte. Außer der Erkenntnis: "Überaus beruhigend, dass wirklich alles ein Ende hat, das ist der langfristige Optimismus unseres Oratoriums."

Esterházy verwendete für Reflexionen Ereignisse wie Sarajevo 1914 und das Attentat vom 11. September 2001 auf die Twin Towers - der Prophet alias Regierungssprecher, dessen Frau in einem der Flugzeuge sitzt, hält das für ein B-Movie und dreht den Fernseher ab - und ist selbst noch prophetisch: "Wir ziehen überall Zäune, wir umzäunen gar die Zäune", schrieb er 2010.

Zum fortgesetzten Glück des Abends trugen noch die Haydn-Variationen von Brahms und das Adagio aus Mahlers 10. Symphonie bei, also Werke, die einst die Philharmoniker uraufgeführt haben.

Quelle: SN

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