Kunst

Salzburger Festspiele: Neues aus dem Bayern-Haushalt

Das Cleveland Orchestra spielte im Großen Festspielhaus die Symphonie domestica von Strauss und Werke von Thomas Adès.

Salzburger Festspiele: Neues aus dem Bayern-Haushalt SN/sf/marco borrelli
Franz Welser-Möst und sein US-Orchester im Großen Festspielhaus. 

Festspielmitbegründer Richard Strauss war gerade sehr glücklich. "Meiner lieben Frau und unserem Jungen" schrieb er auf die Partitur der Sinfonia domestica, welche die Tür aufmachte in das private Glück. Kleine Reibereien inbegriffen, denn Gattin Pauline hatte ob ihres Temperaments einen vielschichtigen Ruf im Bekanntenkreis. So verschießt Strauss volle Orchesterbreitseiten zur Beschreibung des Familienalltags, aber auch diffizile kammermusikalische Einwürfe für Cello oder Oboe charakterisieren musikalisch, wozu Strauss sogar "Regieanweisungen" in die Partitur schrieb: "Ganz der Papa!" oder "Ganz die Mama!" soll den Blick der Verwandtschaft ins Kinderbett wiedergeben. Uraufgeführt wurde das ausladende Stück in den USA. Und von dort kam es nun wieder zurück, denn zum ersten Festspielabend des Cleveland Orchestra unter der Leitung des Chefdirigenten Franz Welser-Möst erklang das Prunkstück ausgefeilter Orchesterkultur.

Mit weit ausladenden Gesten befeuerte Welser-Möst das Kraftwerk, über das er verfügt, etwa die quasi typisch amerikanisch strahlenden acht Hörner. Vor allem aber wollte er vorführen, was er jüngst in Salzburg über das Nobelorchester sagte: Es sei das größte Kammermusikensemble der Welt - und das wäre sein Anliegen in der Clevelander Zeit. Diese außerordentliche Transparenz konnte man jederzeit bestätigen.

Und die Transparenz war auch gefragt im ersten Teil. Thomas Adès kam heuer nicht nur als Komponist (und Dirigent) der Uraufführungs-Oper "The Exterminating Angel" zu einem Sensationserfolg bei den Salzburger Festspielen, er ist auch in anderen musikalischen Genres sehr tüchtig. Das Cleveland Orchestra hatte 2008 die drei "Dances from Powder her Face" erstmals in den USA aufgeführt - ein sinnreicher Ausschnitt aus der ersten Erfolgsoper von Adès. Big-Band-Sound durcheinandergemischt mit zarten Tröpfchentönen und jazzige Anklänge aus den 50er-Jahren. Das macht oft den Charme von Adès aus, der unbekümmert die Musikgeschichte abhört. Für "Concentric Paths", das Violinkonzert von Adès, wurde Leila Josefowicz, einst Amerikas Lieblingswunderkind, aufgeboten. Hochartistisch, dennoch mit viel Seele, zu Recht bejubelt.

Quelle: SN

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