Kunst

Schau würdigt historische Arbeitsmigration aus Jugoslawien

"Unter fremdem Himmel" lautet der poetische Titel einer Ausstellung, die sich zum 50-Jahr-Jubiläum der Arbeitsmigration aus dem damaligen Jugoslawien nach Österreich widmet. Und so fremd blieb der Himmel letztlich nicht, wie die Wanderschau zeigt, die am Donnerstag im Wiener Volkskundemuseum präsentiert wurde. Schließlich wurden die Menschen ungeachtet aller Probleme bald sesshaft.

Der konkrete Anlass für die Aufarbeitung ist das 50-Jahr-Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen Österreich und Jugoslawien, das am 4. April 1966 in Kraft trat. Nach Wien wandert die Schau deshalb weiter nach Graz, Kapfenberg und Klagenfurt, wo sie für die jeweiligen regionalen Gegebenheiten adaptiert wird. Allerdings wolle man das Projekt nicht als historische Abhandlung verstanden wissen, unterstrich Joachim Hainzl, der für den Verein Yukus die Ausstellung kuratiert hat: "Es war für uns wichtig, die Tagesaktualität hineinzubringen." So spielen auch heute diskutierte Themenfelder wie Ghettoisierung, Diskriminierung und Ausbeutung am Wohnungsmarkt eine Rolle in der Schau.

"Man sollte nicht dieselben Fehler machen, sondern daraus lernen", unterstrich auch Co-Kuratorin Handan Özbas zur aktuellen Migrationslage. Was bis heute beispielsweise auch in Schulbüchern gänzlich fehle, sei der Blick darauf, was die Gastarbeiter für ihre neue Gesellschaft geleistet haben. Insofern leiste man mit der Ausstellung auch Grundsatzarbeit und wolle einen breiten Ansatz wählen.

Im Fokus stehen deshalb einzelne Lebensgeschichten, die exemplarisch mittels Videointerviews nachvollzogen werden. Die ersten, selbst organisierten Fußballvereine und Treffpunkte der Neuankömmlinge werden ebenso beleuchtet, wie die Situation am Wohnungsmarkt oder die Lebensrealitäten der Kinder der Migranten. Zeitgenössische Medienberichte flankieren hier die Oral-History-Beiträge. Zusätzlich zur reinen Präsentation legen die Macher der Schau einen Schwerpunkt auf der Vermittlung, weshalb es eine eigene Schiene für Jugendliche ab 14 Jahren oder Stadtrundgänge mit Zeitzeugen am 24. September und 8. Oktober geben wird.

"Unter fremdem Himmel" stellt das Nachfolgeprojekt zur vor zwei Jahren ebenfalls im Volkskundemuseum gezeigten Ausstellung "Avusturya! Österreich!" über die türkische Migration nach Österreich dar. Markant sind dabei die Unterschiede zwischen beiden Migrationsbewegungen. Kamen aus der Türkei 90 Prozent Männer, lag deren Zahl aus dem Balkanraum mit 60 Prozent bedeutend niedriger. Zugleich wurde diesen das Andocken erleichtert, da sich die katholische Kirche im Falle der Jugoslawen ebenso stärker engagierte wie deren Heimatstaat, der sich mehr um seine Staatsbürger im Ausland kümmerte, etwa im Hinblick auf engere Gewerkschaftsverbindungen. Und schließlich fiel die sprachliche Barriere dank vieler burgenländischer Kroaten in Wien niedriger aus.

Viele Problemstellungen blieben hingegen für beide Gruppen dieselben. "Alle haben die Ausbeutung am Wohnungsmarkt erlitten", so Kurator Hainzl. So bleibe es, ungeachtet eines deutlich höheren Anteils an Arbeitsmigranten aus Jugoslawien, ein Fakt, dass man die türkische und die jugoslawische Arbeitsmigration nicht wirklich trennen könne, so Özbas: "Es ist letztlich ein Thema: Gastarbeit."

Quelle: APA

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