Kunst

Spider-Man Andrew Garfield im SN-Interview

Spider-Man rennt wieder, um die Welt zu retten - zumindest im Kino. "Spinnenmann" Andrew Garfield im SN-Interview über seine Rolle in "The Amazing Spider-Man".

Zwei Jahre nach Marc Webbs Neustart der "Spider-Man"-Saga kommt nun die Fortsetzung "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" ins Kino. Andrew Garfield spielt den Burschen mit Spinnentalenten und Jamie Foxx ist der elektrifizierte Bösewicht. Die rasante Comicverfilmung bietet spektakuläre Stuntszenen. Und Hauptdarsteller Andrew Garfield überrascht im SN-Interview mit einem philosophischen Statement: "Spider-Man ist ein Pazifist."

SN: Was unterscheidet Spider-Man von anderen Superhelden?
Andrew Garfield: Er hat den Glauben nicht verloren, dass er Probleme durch reden lösen kann, statt Gewalt anzuwenden. Er ist Pazifist, ein bisschen wie Gandhi, er weiß, dass jeder das Potenzial für Mitgefühl in sich trägt. Dem entspricht auch Peter Parker (Spider-Mans ziviles Alter Ego, Anm.): Er plädiert an die Vernunft, auch bei Bösewichten. Erst als er dabei scheitert, nutzt er seine Kräfte, um die Schwachen zu beschützen. Aber er ist nie aggressiv, er gibt immer dem Bösen eine Chance, sich für das Gute zu entscheiden. Das finde ich schön.

SN: Das klingt, als identifizierten Sie sich damit.
Garfield: Ja, ich geb zu, ich hab auch diese Naivität, die Hoffnung auf das Gute im Menschen, und das hat mich schon einige Male in Gefahr gebracht. Manchmal muss man wohl akzeptieren, wie jemand ist, und sich nicht selbst in Gefahr bringen, wie es Peter Parker immer wieder tut. Er hat diesen überentwickelten Sinn für Verantwortung und meint, er müsse alle retten, sogar die bösen Jungs vor sich selbst.

SN: Diese Verantwortung wird ihm aber oft auch zu viel, Peter denkt daran, seine Spider-Man-Identität aufzugeben. Verstehen Sie das?
Garfield: Als Rettungskraft, die er ja letztlich ist, ist man immer im Dienst. Mein Bruder ist Arzt, und als Assistenzarzt in einem Londoner Spital war er ständig im Dienst, er konnte nie ausschlafen. Durch ständigen Schlafmangel und Erschöpfung entwickelt sich irgendwann eine Abneigung gegenüber dem Job. Das ist einer der wichtigen Konflikte bei Superhelden, besonders bei einem wie Peter Parker: Er muss viel von seinem persönlichen Wohlbefinden und Privatleben opfern.

SN: Gibt es da eine Parallele zu Ihrem Leben derzeit? Die Spider-Man-Rolle hat Ihnen weltweiten Ruhm beschert. Widerspricht das Ihrer Vorstellung davon, wie Ihr Leben sein sollte?
Garfield: Ja, das Berühmtsein ist etwas, gegen das ich mich gewehrt habe. Heutzutage wollen die Leute ja nur mehr berühmt sein um des Ruhmes willen anstatt dafür, eine große Köchin zu sein, eine tolle Malerin, ein großer Künstler oder ein großer Menschenrechtler. Um sich Ruhm zu verdienen, sollte doch zuerst eine Leistung kommen, eine Fertigkeit oder Inspiration, aber das ist den Menschen heute egal. Deswegen machen wir ja auch alle Selfies, weil wir vor unseren Freunden berühmt sein wollen. Aber sie wirkt narzisstisch und selbstbezogen, diese Klatschspalten-Weltsicht, in der es nur um Ruhm geht- genau wie Andy Warhol es vorhergesagt hat. Mich widert das an.

SN: Sie haben in David Finchers "The Social Network" einen Erfinder von Facebook gespielt. Kommen diese Überlegungen daher?
Garfield: Vielleicht, ja. Aber es ist fast unvermeidlich, darüber nachzudenken, weil das alles unsere Welt bestimmt. Klar, es gibt auch tolle Aspekte an Social Media - zum Beispiel wird dadurch deutlich, wie sinnlos all die Kriege sind, die wir kämpfen.

SN: Mit Emma Stone, der Darstellerin von Spider-Mans Freundin, sind Sie im realen Leben zusammen. Das scheint sich positiv auf den Film auszuwirken, etwa bei diesem übermütigen Kuss nach Gwens Rede bei der Highschool-Abschlussfeier.
Garfield: Ja, dieser Kuss war sogar improvisiert. Im Drehbuch stand nur: "Peter kommt zu spät zu seinem Abschluss." Aber da war der Impuls, Emma zu küssen. Es ist einfach Liebe, es ist das Beste am Leben.

Kino: The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, USA 2014. Regie: Marc Webb. Mit Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Paul Giamatti, Sally Field, Dane DeHaan. Start: 17. 4.

(SN)

Aufgerufen am 21.06.2018 um 10:13 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/spider-man-andrew-garfield-im-sn-interview-3661090

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