Kunst

Spielplan des TAG ist "gezeichnet von Horror und Entsetzen"

Das Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) setzt in seiner neuen Saison wieder auf das "Überschreiben" von Klassikern, auf Zombies und "Theatermacher" und ist nach Umbauten "endlich barrierefrei".

"Es brennt gleich mehrmals, wir springen auf die trivialkulturelle Mode auf und lassen die Zombies kommen, es gibt zusammengenähte Tiermenschen und rechtsnationalistische Familien." Und das alles in der für das TAG typischen "Hybridform" der neu geschriebenen Dramenklassiker. "Wir haben wieder fünf von diesen Eiern gelegt", so Plass, "überschrieben" wird unter anderem "Nathan der Weise", "Das Käthchen von Heilbronn", oder "Der Talisman".

Wo möglich, wurden diese Produktionen in Personalunion von Autor und Regisseur umgesetzt - "wir versuchen die alte Berufsform des Theatermachers wiederzubeleben". Thomas Desi etwa wird den ersten Zombie-Film,"The Night of the Living Dead" von George A. Romero auf die Bühne bringen. Statt der "unwahrscheinlichen Effekte, einer Riege von C-Schauspielern und Zombies als blass geschminkte Menschen, die ein bisserl langsam unterwegs sind", wie Plass den Film subsumierte, wird in Desis Version aber ein Haufen von "smarten Bobos" ein leerstehendes Haus in Wien-Neubau unsicher machen. "Diese lustige Produktion ist unser Weihnachtsgeschenk." Premiere hat "Der Nachmittag der lebenden Toten" am 3. Dezember.

Plass selbst wird einen "Käthchen.Traum" nach Heinrich Kleist inszenieren, eine Geschichte über "die erste Stalkerin der Literaturgeschichte", die sich in der Überarbeitung zu einem Psychothriller gemausert hat (Premiere am 22.2.). Als Auftaktproduktion ab 8. Oktober wird "Nathan - ein Ring ist ein Ring ist ein Ring" nach Lessings großem Spätwerk, "diesem Hohelied der Vernunft und Menschlichkeit" gezeigt, bearbeitet und in Szene gesetzt von Thomas Richter und Dora Schneider.

Mara Mattuschka trat mit der Idee, H.G. Wells' "Insel des Dr. Moreau" als Koproduktion herauszubringen, an das TAG heran und erzählt die Geschichte als "fast psychodelische Reise durch die Herstellung der Verfilmungen", mit den verschiedenen Darstellern des Dr. Moreau als Protagonisten (Premiere am 2.11.). Den Abschluss im Reigen macht am 8. Mai Esther Muschol mit der "unwahrscheinlich mutigen Unternehmung", Nestroys "Talisman" neu zu denken. "Sie stellte sich die Frage: Was wäre, wenn die inkriminierte Farbe in diesem Stück nicht die Haare betreffen würde, sondern die Haut - und schon ist man bei einem unheimlich aktuellen Thema des Alltagsrassismus." Und weil aus Titus dann auch noch eine Titania wird, kommt auch die Genderfrage nicht zu kurz. Und das heißt dann: "Weisser Neger sagt man nicht".

Darüber hinaus gibt es Gastspiele, Wiederaufnahmen, und Festivals: Beispielsweise kommt das Theater im Bahnhof mit "Wahr und gut und schön", einer Komödie über "die Attraktivität des Rechten" und werden die hauseigenen "Renner" von "Faust-Theater", über die "Blendung" bis zum "Diskreten Charme der smarten Menschen" - eine Produktion, die "fast 70 Mal vor ausverkauftem Haus gespielt" wurde - wieder auf dem Spielplan stehen. Von 15. bis 20. September wird im TAG das "Moment!"-Festival ausgetragen mit Stargästen aus der internationalen wie heimischen Improvisationstheaterszene. Und auch die "sehr fremdschämigen Abende" des "Tagebuch Slams" gehen ab Mitte Oktober wieder los.

In der Saison 2015/16 verzeichnete man 17.359 Besucher, "um 60 mehr als im Vorjahr", wie der kaufmännische Direktor Ferdinand Urbach vorrechnete. Die Auslastung betrug 80,02 Prozent, die Eigendeckung 19,3 Prozent, "womit wir die Vorgabe des Subventionsgebers quasi verdoppelt haben". Die Verträge von Plass und Urbach wurden mündlich bereits bis 2021 verlängert, die Budgets - derzeit bei 770.000 Euro jährlich - sind allerdings noch nicht fixiert.

"Die Buschtrommeln laufen in Wien", so Plass, wonach Einsparungen auch alle städtischen Kulturbetriebe nach dem Rasenmäherprinzip treffen könnten. "Bei Häusern, die so an der öffentlichen Hand hängen ist natürlich jede Einsparung eine Katastrophe", so Plass. Kritik übte er auch an den Auflagen für die freie Szene: Durch die Vorgabe, Förderungen innerhalb eines halben Jahres umzusetzen, sei eine Zusammenarbeit mit Mittelbühnen wie dem TAG, die längere Planungshorizonte haben, meist nicht möglich. "Da hast du Geld und kannst etwas machen und die Theater sind voll - was die Freien dann wieder dazu zwingt, irgendwelche Pissoirs zu bespielen", so Plass. "Nicht, dass das nicht auch sehr interessant sein kann."

Quelle: APA

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