Kunst

Staatsopern-"Walküre" in Tokio

Der Kern des riesigen Ueno-Parks in Tokio geht auf einen Tempel zurück, der einst die bösen Geister des Nordostens abwehren sollte. Am Sonntagabend (Ortszeit) ritten stattdessen die germanischen Götter ein: Die Wiener Staatsoper präsentierte bei ihrem laufenden Japan-Gastspiel Wagners "Walküre" in Topbesetzung. Und die Walhalla-Götter wurden nicht vertrieben, sondern begeistert empfangen.

Staatsopern-"Walküre" in Tokio SN/AP
Stilvolles Ambiente der Klimakonferenz in Marrakesch.

An der Spitze der musikalischen Götter des Westens stand in der Konzerthalle Bunka Kaikan naturgemäß Wotan - allerdings mit einer selten anzutreffenden Bühnenaura. Der 44-jährige Bassbariton Tomasz Konieczny, Stammgast auch in Österreich, hat sich in den vergangenen Jahren ein bemerkenswertes Charisma erarbeitet, das seiner kraftvollen, mächtigen Stimme in keiner Weise mehr nachsteht.

Dagegen ist nur schwer ankommen. Aber natürlich stellte sich Nina Stemme als Brünnhilde auch in Nippon gegen ihren Papa und damit auch unter Beweis, dass sie derzeit im Wagner-Fach unangefochten ist. Dieser Walküre nimmt niemand die Zügel aus der Hand (abgesehen eben von Wotan). Das stimmliche Führungsquartett des Abends komplettierten Christopher Ventris als bezirzend schöner Siegmund und das einstige Wiener Ensemblemitglied Ain Anger als ein Hunding, der stimmlich die Wände zum Erzittern brachte.

Und um die Wände der Bunka Kaikan Hall ins Schwanken zu bringen, dafür benötigt man ordentliches Stimmmaterial, verströmt der Bau doch weniger gründerzeitliches Opernflair als wird vielmehr seinem phonetischen ersten Namensteil "Bunker" (der freilich auf Japanisch "Kultur" bedeutet) gerecht wird. Architekt Kunio Maekawa setzte 1961 bei der Gestaltung des Baus primär auf das damals en vogue Material Beton. Immerhin hält die Anlage mit 2.303 Plätzen ausreichend Sitzgelegenheiten für japanische Wagnerianer bereit.

Diese standen nach dem fünfstündigen Abend nicht nur in rauer Menge am Bühneneingang, um ihre Stars für eine Unterschrift abzufangen, sondern hatten sich teils bereits zuvor im Hotel auf Autogrammjagd gemacht. Zu den beliebtesten Zielen gehörte dabei Dirigent Adam Fischer, der seine "Walküre" überraschend kammermusikalisch und transparent, wenn man so will, beinahe mozartesk klingen ließ.

Bei so viel musikalischen Freudentönen, die einzig durch manche weniger erbauliche Zwischenrufe einiger weiblicher Partien kurzzeitig getrübt wurden, trat die auf dem Staatsopern-"Ring" aus 2007 basierende Inszenierung beinahe etwas in den Hintergrund, ist die Arbeit von Sven-Eric Bechtolf doch ohnedies primär statisch. Dass die Dekorationen inklusive neun überdimensionaler Rösser und zahlreicher Baumstämme dennoch pünktlich in Tokio eintrafen, dafür zeichnet Peter Kozak, Technischer Direktor der Staatsoper verantwortlich, der mit 60 Mann aus der Bundeshauptstadt vor Ort ist. Bereits Anfang August wurden die Dekorationen aus den Lagerhallen im niederösterreichischen Haringsee losgeschickt.

"Es ist für uns schwierig, eine Produktion zu finden, die hierher passt", betont Kozak dabei. So ist das Bühnenportal der Bunka Kaikan Hall mit 18 Metern zwar deutlich breiter als das 13 Meter messende der Wiener Staatsoper. Dafür fehlt die Unterbühne des Hauses am Ring, dessen Bühnentiefe überdies deutlich höher ist. Deshalb musste in einem Akt musiktheatralen Waldsterbens unter anderem für das zweite Bild eine Baumreihe dran glauben, die schlicht keinen Platz mehr auf der ohnedies gedrängten Bühne fand.

Zweimal, am 9. und 12. November, wird die "Walküre" nun während des laufenden Japan-Gastspiels der Wiener Staatsoper noch reiten, dann ist aber ausschließlich Party angesagt - genauer gesagt Hochzeit. Am 10. November feiert in der Kenmin Hall von Yokohama "Le Nozze di Figaro" als dritte und letzte Produktion Gastspiel-Premiere unter Riccardo Muti.

Quelle: APA

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