Kunst

Stadler muss sich für Conchita Wurst fremdschämen

Kritik rund um den Songcontest-Sieg von Conchita Wurst haben REKOS-Spitzenkandidat Ewald Stadler und der Freiheitliche Akademikerverband geübt. Für Stadler hat "Fremdschämen eine neue Qualität erlangt".

"Ich geniere mich für diesen Erfolg, ich hätte mir einen anderen Kulturerfolg für Österreich gewünscht", sagte Stadler im katholisch-traditionalistischen Gloria.tv. Wenn dies das neue Gesicht Österreichs oder Europas sei, "ist es nur noch zum Genieren". Stadler ortete in der Rezeption der Kunstfigur Conchita Wurst "die Demaskierung der Identitätskrise Europas".

Er kritisiere nicht Tom Neuwirth, sondern "dass die gesamte politische Klasse von FPÖ-Chef Strache bis Bundespräsident Heinz Fischer am Boden liegt vor lauter Anbetung. Das ist so grottenpeinlich", so Stadler, der ein "weites Auseinanderklaffen von veröffentlichter und öffentlicher Meinung" ortete. Stadler bedauerte außerdem die bei der Veranstaltung selbst zum Ausdruck gekommene "gezielte Russophobie". Unter dem Titel "Wurst-Theater - Zeitgeistverdummung" lud der ehemalige FPÖ-Politiker am Dienstag in Graz zu einer Pressekonferenz ein.

Mit dem Sieg von Conchita Wurst beim Eurovision Songcontest bestätige sich "aufs Neue die Verblödung des Tittytainment-Pöbels", kommentierte in einem ähnlichen Tonfall die Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Akademikerverbände Österreichs in einer Aussendung. Empfang für die "Queen of Austria" Anders handhaben diese beiden Herren die "Causa Conchita": Bundeskanzler Werner Faymann und Kulturminister Josef Ostermayer (beide SPÖ) geben am Sonntag (18.5.) um 17 Uhr im Bundeskanzleramt einen Empfang für die österreichische Siegerin des Eurovision Song Contest 2014, Conchita Wurst. Das bestätigte ein Sprecher des Kulturministers der APA. Anschließend soll Wurst um 18 Uhr einen Konzertauftritt auf dem Ballhausplatz geben.

Laut "Krone.at" sei auch geplant, dass sich die Song-Contest-Gewinnerin am Balkon des Kanzleramtes ihren Fans zeigen werde - eine Ehre, die etwa Skilegende Karl Schranz 1972 nach seinem Ausschluss von den Olympischen Winterspielen in Sapporo zuteilwurde. Dies sei eine Idee, könne aber noch nicht bestätigt werden, so der Sprecher, der derzeit an der Einladungsliste feilt. Wenig Verständnis von italienischem Ex-Minister Kritik am Medienrummeln rund um den Songcontest-Sieg von Conchita Wurst hat am Dienstag der konservative Parlamentarier und Ex-Familienminister Carlo Giovanardi geübt, der öfters in Italien wegen seinen schwulenfeindlichen Äußerungen für Aufsehen gesorgt hat. "Der Eklat um diesen Sieg ist absurd und übertrieben", kommentierte der Parlamentarier.

"Ich stamme aus Modena, der Heimat von (Startenor) Luciano Pavarotti. Es macht mich traurig zuzusehen, wie der erste Preis bei einem europäischen Songfestival nicht aufgrund der Qualität des Lieds oder der künstlerischen Leistungen des Sängers, sondern lediglich wegen eines provokativen Auftretens vergeben wird", kommentierte Giovanardi.

"Ausschweifungen sind zum neuen Konformismus geworden. Mächtige Lobbys applaudieren jeder Form von Exzessen. Normalität ist etwas Außerordentliches geworden. Dabei gibt es immer noch Millionen von Menschen, die so denken wie die Russen", sagte Giovanardi in Anspielung auf Kritik von nationalistischen Abgeordneten in Russland auf Conchita Wursts Erfolg.

Der Katholik Giovanardi klagte, dass Respekt für das Publikum keine Rolle mehr spiele. "Was wäre, wenn beim Neujahrskonzert im Wiener Musikverein ein Dirigent in T-Shirt und Unterhosen auftreten und dabei Respekt und Toleranz verlangen würde. Es gibt Regeln des Anstands, die respektiert werden sollten", so Giovanardi.

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