Kunst

Stars und abgeschnittene Pferdeohren: Staatsoper in Japan

Ariadnes Leiden ist schon vorüber, und die Hochzeit steht noch aus: Am Sonntagabend (Ortszeit) feiert in Tokio aber das laufende Japan-Gastspiel der Wiener Staatsoper seinen Höhepunkt mit der Premiere von Wagners "Walküre" in absoluter Topbesetzung. Und zum Abschluss dieser 9. Reise des österreichischen Aushängeschildes nach Nippon heiratet dann noch Figaro - ebenfalls unter namhaften Zeugen.

Bereits am 18. Oktober landete die erste Tranche an Staatsopernmitarbeitern in Tokio, um Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos" in der Bunka-Kaikan-Halle von Tokio einzustudieren. Dabei wurde Sven-Eric Bechtolfs Regiearbeit aus 2012 wiederaufgenommen und vereinte Sänger wie Daniela Fally, Stephanie Houtzeel oder Stephen Gould. Am 25. Oktober feierte man so den umjubelten Auftakt zum Japan-Gastspiel.

Insgesamt werden beim Gastspiel drei Produktionen mit je drei Vorstellungen präsentiert, wobei die "Walküre" wohl als der Höhepunkt bezeichnet werden darf und erstmals bei einem Japan-Auftritt der Staatsoper gespielt wird. Auch Wagners 2. Teil seiner "Ring"-Tetralogie wird in Tokio Premiere feiern, wobei Adam Fischer bei der ebenfalls von Sven-Eric Bechtolf inszenierten Oper am Pult steht. Spektakulär ist dabei die Besetzung des Mammutwerks, ist mit Nina Stemme, die jüngst an der Met in "Tristan und Isolde" gefeiert wurde, doch die wohl gefragteste Wagner-Interpretation derzeit als Titelfigur Brünnhilde verpflichtet, während Christopher Ventris den Siegmund und Tomasz Konieczny den Wotan singen.

Den feierlichen Abschluss der Staatsopernfestspiele im Land der aufgehenden Sonne stellt dann Mozarts "Le Nozze di Figaro" dar. Am 10. November wird hier die Premiere der von Jean-Pierre Ponelle inszenierten Fassung in der Kenmin Hall von Yokohama gefeiert. Hierbei übernimmt Starmaestro Riccardo Muti die Regentschaft über das Pult und wird ein von Ildebrando d'Arcangelo als Conte d'Almaviva angeführtes Ensemble durch den Abend leiten.

Am 16. November kehrt dann der Klassiktross wieder zurück in die Heimat. Insgesamt werden sich bei dem einmonatigen Gastspiel in der Ferne 300 Personen aus Wien in Japan aufgehalten haben. Mit Chor, Orchester, Solisten, Dirigenten, Bühnenarbeitern oder Direktion bis hin zu zwei Ärzten kommt man schon auf die Größe eines kleinen Dorfes.

Und dabei sind die Menschen nicht das Einzige, das nach Japan verschifft werden muss. Insgesamt hat man für die drei gezeigten Produktionen seit Mitte August 27 Container mit rund 100 Tonnen Material gen Osten geschickt - von Kostümen bis zu Dekorationen, von Requisiten bis zu Noten und Instrumenten. Zu den größten Einzelbrocken gehörten dabei die Rösser der Walküren, die bei der 2007 erstmals an der Staatsoper gezeigte Fassung eine im doppelten Wortsinn tragende Rolle spielen und je einzeln eine Transportkiste erhielten - ohne ihre Ohren allerdings, die aus Platzgründen abgeschnitten und vor Ort wieder angeklebt wurden.

Aber dass die Pferdeohren derzeit ihren großen Auftritt in Nippon haben, bedeutet nicht, dass die Musi am Ring nicht spielt, läuft der Repertoirebetrieb in der Staatsoper inklusive Ballettpremiere doch ungestört weiter. Eine gewisse Routine hat man im Haus mit der kurzzeitigen Erweiterung des Spielradius nach Japan ja auch schon, ist das laufende Gastspiel doch der 9. Einsatz von Österreichs Renommieropernhaus seit 1980 im Fernen Osten. Seither ist man alle vier Jahre - das letzte Mal 2012 - ins opernverrückte Japan aufgebrochen.

Quelle: APA

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