Kunst

styriarte: Beethovens Neunte als wuchtiger Holzschnitt

Mit Beethovens Neunter hat am Donnerstag bei der styriarte der dritte Dirigent gezeigt, wie er mit dem Concentus Musicus die Symphonien des Komponisten umzusetzen vermag. Andres Orozco-Estrada formte ein wuchtiges Gesamtbild, das beeindruckte, aber dennoch einige Feinheiten vermissen ließ. Ausgezeichnet waren der Arnold-Schoenberg-Chor und die Solisten.

Nach Karina Canellakis und Jeremie Rhorer war Andres Orozco-Estrada der dritte Dirigent, der den für und mit Nikolaus Harnoncourt geplanten Beethoven-Zyklus ausführte. Er dirigierte am Donnerstag als erstes die neunte Symphonie, die vierte und fünfte folgen noch. Der Concentus Musicus zeigte viele Klangfarben und Schattierungen, die man normalerweise nicht hört und die das Werk anders beleuchteten. Was entstand, erinnerte an einen Holzschnitt, aus einem Guss, aber nicht sehr fein bearbeitet.

Dirigent Orozco-Estrada warf sich mit viel Leidenschaft und heftiger Bewegung in das Werk, stürmte drauf los und ließ wenig Atempausen, wenn beispielsweise die warm tönenden Streicher im ersten Satz aufblühen durften. Dann ging es aber auch schon wieder weiter, kantig, oft bedrohlich, manchmal ein wenig grob. Im dritten Satz der Versuch, die lyrischere Seite des Werks zu zeigen, wobei die Musiker ihre Klasse auf eher stille Art bewiesen.

Im letzten Satz durfte der Arnold-Schoenberg-Chor sein enormes Können zeigen, mit fein aufeinander abgestimmten und miteinander eingespielten Stimmen. Da stimmte alles, da war Harmonie bis in den letzten Atemhauch. Großartig auch die Solisten, von Florian Boesch mit kernigem Bass und schöner Diktion über Tenor Steve Davislim bis zum samtigen Mezzo von Elisabeth Kulman und dem klaren Sopran der eingesprungenen Regula Mühlemann.

(APA)

Aufgerufen am 24.06.2018 um 05:05 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/styriarte-beethovens-neunte-als-wuchtiger-holzschnitt-1235155

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