Kunst

Tenor Franz Supper: "Ich sag immer: Es ist, wie es ist"

Franz Supper, der "Haustenor" des Salzburger Landestheaters, trat auch schon in der legendären Mailänder Scala auf. Wie das?

Tenor Franz Supper: "Ich sag immer: Es ist, wie es ist" SN/landestheater
Schwierige Aufgaben: Franz Supper als Max in Ernst Kreneks „Jonny spielt auf“. 

Seit 1987 ist der gebürtige Burgenländer Franz Supper Ensemblemitglied des Salzburger Landestheaters und war dort in zahllosen Rollen zu hören. Er gilt als Publikumsliebling, auch ob seiner freundlichen Art.

SN: Sie haben heuer in der Mailänder Scala gesungen. Ein Ensemblemitglied des Salzburger Landestheaters! Wie das?

Supper: Ich habe 2014 im "Rosenkavalier" der Salzburger Festspiele den Haushofmeister bei der Marschallin gesungen. Ich habe dann die Einladung an die Scala bekommen, was mich sehr gefreut hat. Ich hielt dann Rücksprache mit meinem Stammhaus, dem Landestheater. Der Intendant Carl Philip von Maldeghem hat mich für diese Produktion großzügig freigegeben.

SN: Wie war das Gefühl, im legendärsten Opernhaus der Welt zu singen?

Das ist ein großartiges Gefühl. Ich habe zuerst eine Vorstellung von "Fanciulla del West" gesehen, das ist schon überwältigend. Die Größe des Hauses! Und wenn man weiß, was für Leute da gesungen haben! Da geht man mit einer gewissen Ehrfurcht in dieses Haus. Als ich meine ersten Schritte auf diese Bühne machte, war das - und wohl auch für jeden anderen Sänger - ein großer Moment. Als wir die Applausordnung geprobt haben, sagte ich zu den Kollegen: "Dass ich das erleben darf!" Es war zwar eine kleine Rolle, aber einmal mit Zubin Mehta und großartigen Kollegen wie Krassimira Stoyanova oder Günther Groissböck auf der Bühne stehen zu dürfen, das ist schon toll.

SN: Ist die Arbeit mit einem Franz Welser-Möst anders als mit Ihren "üblichen" Dirigenten am Landestheater?

Welser-Möst und Mehta sind natürlich internationale, berühmte Dirigenten. Aber du musst deine Arbeit auf der Bühne machen, sowohl als auch. Ich nehme meine Arbeit grundsätzlich ernst. Egal ob ich bei einer Hochzeit oder einem kleinen Konzert irgendwo singe oder ob ich in der Scala oder bei den Festspielen singe. Sobald du auf der Bühne stehst, musst du dein Bestes geben. Ich funktioniere nur mit 100 Prozent.

SN: Wie kam der deutsche "Rosenkavalier" beim gefürchteten Scala-Publikum an?

Was ich gehört und gespürt habe, sehr gut. Wir hatten neun Vorstellungen, alle mit Bravos und viel Emotion. Die Produktion wurde sehr toll aufgenommen.
SN: Wie kamen Sie zum Haushofmeister im Salzburger "Rosenkavalier"?

Das ist ein längerer Weg, wie ich zu den Salzburger Festspielen gekommen bin. Begonnen hat es mit einem Einspringen, in der "Zauberflöte" von Achim Freyer. Da wurde ich mittags von Andrea Wieser angerufen, ob ich am selben Abend singen kann, unter der Leitung von Christoph von Dohnányi. Daraufhin habe ich eine Einladung bekommen für die berühmte "Fledermaus" mit Marc Minkowski und Hans Neuenfels. Dann kam ein Vorsingen bei Claudio Abbado für den "Parsifal" bei den Osterfestspielen, der hat mich genommen. So hat das seinen Lauf genommen. Ich war dann in "Meistersinger" bei Stefan Herheim und dann eben in diesem "Rosenkavalier". Und jetzt singe ich wie im Vorjahr den Don Curzio im "Figaro". Heuer singe ich auch noch in "Il Templario" von Nicolai.

SN: Sie stammen aus dem Burgenland, außer dem Steinbruch St. Margarethen nicht gerade ein Opernland. Was zog Sie hin zu diesem Beruf?

Ich habe ursprünglich einen Beruf gelernt, Spengler, und habe durch Motivation von einem Arzt mich entschlossen, ans Konservatorium Eisenstadt zu gehen. Nach einem Jahr Gesangsstudium neben meinem Beruf hab ich den Beruf aufgegeben und bin nach Wien gegangen an die Musikhochschule zu Luise Scheit. Ich habe dann an der Kammeroper debütiert, "Entführung aus dem Serail" und "Wiener Blut". Am Salzburger Landestheater gab es ein Vorsingen für "Figaro" mit Hermann Prey. Ich bekam einen Eineinhalbjahresvertrag. Ich bin seit 1. 1. 1987 in Salzburg engagiert.SN: Welcher Intendant holte Sie nach Salzburg - und wie viele Intendanten haben Sie hier erlebt?

Das war damals Lutz Hochstraate. Meine anderen Intendanten waren dann Peter Dolder und jetzt Carl Philip von Maldeghem.

SN: In der Wiki-Biografie ist auch ein Job "Friedhofsänger" angegeben. Was war das?

Ich war ein halbes Jahr in Wien an der Musikhochschule und bin einfach in die Staatsoper gegangen zum Extrachor-Vorsingen. Die haben mich sofort angesprochen für Friedhofgesang. Und damit habe ich mir mein Studium finanziert. Damals habe ich unter anderem viel gesungen mit Walter Zeh, der heute als Chorleiter wirkt. Das war eine große Bereicherung für mich jungen Sänger, mit diesen tollen Sängern vom Staatsoper-Extrachor zu singen, Quartett oder Doppelquartett.

SN: In Salzburg spricht man nach Ihren großen Erfolgen als Max in "Jonny spielt auf" oder als Florestan im "Fidelio" von einer Art "später Blüte". Haben Sie Ihre Stimme nochmals weiter geschult?

Ich arbeite permanent mit verschiedenen Leuten, ich fahre regelmäßig nach Wien. Ich bin permanent am Lernen und übe Kontrolle. Sonst wären Max in "Freischütz" und "Jonny" oder Florestan nie möglich gewesen. Ich arbeite daran, den Körper zu spüren und einen Zugang zur Tongebung zu finden, den jeder Sänger ja anders sieht. Man reift, aber man muss auch die richtigen Weichen stellen, dass die Stimme voller wird und wächst. Diese Erweiterung hat mit dem Entdecken und Ausloten der eigenen Möglichkeiten zu tun. Ich habe großen Respekt gehabt vor diesen großen Rollen. Aber keine Angst.

SN: Was ist die nächste Herausforderung?

Darauf freue ich mich schon: Ich singe die Hexe in "Hänsel und Gretel", dann den Oberpriester im "Idomeneo" und den Jim Mahoney in "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny".

SN: War das oft Glück, wie Ihre Karriere vonstattenging?

Immer. Wäre ich damals nicht mit Freunden beim Mittagessen gesessen - ich hatte mein Handy zu Hause vergessen -, dann hätte mich Frau Wieser nicht erreicht für das Einspringen am Abend. Man kann sagen, es ist Schicksal, oder wie ich immer sage: Es ist, wie es ist. Den ersten Schritt kannst du bewusst tun, den zweiten weiß man nicht.

SN: Sie sind nun Ende 50, im Vergleich zu Plácido Domingo dennoch ein Jüngling. Könnten Sie sich eine Karrieredauer à la Domingo vorstellen? Wie bleiben Sie bei Stimme?

Üben, üben und nochmals üben. Ich singe ja schon sehr lange, aber was die Stimme betrifft, fühle ich mich derzeit sehr gut. Domingo allerdings ist für mich ein Jahrhundertphänomen. Ich habe in meiner Studienzeit viel gesehen mit Domingo, Carreras oder Pavarotti, das waren damals die großen Sänger an der Wiener Staatsoper. Aber Domingo war und ist - auch schauspielerisch - ein ganz Großer.
SN: Also gibt es ein Vorbild?
Ich sag immer, Vorbilder sind diejenigen, die es besser können als ich - und das sind viele. Ich bin ein ewig Lernender.

SN: Was gibt es privat Neues? Sie haben ja mit Ihrer Frau zwei Söhne.

Der Große studiert in Wien Bodenkultur und der Kleine ist im Gymnasium - und im Sommer fleißig im Triangel. Den Ferienjob hat er sich selbst ausgesucht. Der Große hat bei Christian Stückl damals sieben Sommer im "Jedermann" mitgespielt. Sänger allerdings wird, glaube ich, keiner.

SN: Kann man in Salzburg Kammersänger werden?

Stubensänger.

Quelle: SN

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