Kunst

Theaterfest NÖ: Finale in Berndorf mit Baryllis "Honigmond"

Mit dem komödiantischen Dreipersonenstück "Honigmond" von Gabriel Barylli ist am Donnerstagabend im Stadttheater Berndorf die letzte Premiere des diesjährigen Theaterfests NÖ über die Bühne gegangen. Kabarettist Gerold Rudle beging bei dieser Produktion sein Regiedebüt, Intendantin Kristina Sprenger, Adriana Zartl und Susanna Hirschler agierten als von der Männerwelt enttäuschtes Ladies-Trio.

Drei an sich sehr unterschiedliche Persönlichkeiten finden sich zu einer pragmatischen Wohngemeinschaft zusammen. Zartl als ewiges Girlie Linda, das möglichst viel Spaß haben will, lustvoll selbstverliebt vor dem Spiegel zu "Stayin' alive"-Rhythmen abtanzt, Männer mit Kapriolen und voll Berechnung provoziert und schließlich von einer Schwangerschaft überrascht wird, ist sehr gut besetzt. Sprenger als biedere Barbara, die vom Seitensprung ihres Mannes aus der Bahn geworfen wird und daraufhin den Vamp rauslässt, bringt ihre durchaus witzige Wandlung vielleicht eine Spur zu unvermittelt über die Rampe. Und Hirschler nimmt man die intellektuelle Therapeutin nicht leicht ab - dieser Bruch zwischen absoluter Naivität und psychologischer Professionalität ist allerdings schon der Rolle immanent und somit eine der Schwächen des Stücks.

Da wäre nun eine griffige Inszenierung vonnöten gewesen. Doch Rudles simples Credo "Als Regisseur interessiert mich das Einfache. Ich möchte Menschen auf der Bühne sehen, die auch als solche agieren und miteinander sprechen" (no na!) erweist sich leider als nicht ausreichend, um die Konstellationen mit prallem Leben zu erfüllen und den Charakteren nachvollziehbare Eigenschaften einzuhauchen. Und so erlebt man einen eineinhalbstündigen Abend, der nicht nur halbherzig zwischen Komödie und Kabarett pendelt (Barylli bezeichnet das Stück übrigens als Schauspiel), sondern auch bei einem hinterfragbaren Frauenbild verweilt. Drei spätpubertäre Tussis, die nichts im Kopf haben als ihre Beziehungsprobleme mit Männern: Das ist zu wenig - im realen Leben und auch am Theater und turnt weder da noch dort sonderlich an.

Trotzdem darf positiv resümiert werden: Die Festspiele Berndorf haben heuer gleich drei Produktionen auf die Beine gestellt (zuvor "Grimms Greatest Hits" und "Die Kaktusblüte"), und mit "Honigmond" ist immerhin ein zeitgenössischer österreichischer Autor am Spielplan vertreten. Letzterer Umstand hat beim Theaterfest NÖ Seltenheitswert, und wenn es gelingt, künftig auch noch die Aufführungsqualität zu steigern, könnte diese Schiene eine vorbildliche Pionierfunktion erfüllen, die zudem dem architektonischen und kulturhistorischen Stellenwert des prächtigen Theaters gerecht würde.  

Quelle: APA

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