Kunst

Theaterwirkung mit dem Raumklang

Drei Werke von Peter Eötvös in der Salzburger Kollegienkirche

Theaterwirkung mit dem Raumklang SN/sf/ketterer

Angekündigt war ein reines Konzert in der Salzburger Kollegienkirche und doch erlebte man fast einen Theaterabend. Wie das? Péter Eötvös hat seine umfangreichen Erfahrungen als Opernkomponist immer wieder genutzt, um auch Orchesterstücke, Kammermusik oder Vokalwerke mit stupenden Raumwirkungen zu versehen.

In der Kollegienkirche gab es mit dem exzellenten Klangforum Wien unter der Leitung des Komponisten zunächst "Shadows" (entstanden 1995-96), hier agieren Flöte (Vera Fischer) und Klarinette (Olivier Vivarès) solistisch und stehen in häufigem Kontakt mit dem eher klein besetzten Ensemble. Langsam entwickeln sich Figuren und Motive, man hört einsam pochendes Schlagwerk, schrille, hohe Töne der Blasinstrumente, das Ganze entwickelt einen hypnotischen Sog, auch weil einen die Herkunft der Klänge zeitweise irritiert. Woher kommt die Musik? Ist gar Elektronik im Spiel?

Diese gibt es dann ausführlich in der "Sonata per sei" von 2006. Ein üppiger, vielfältig eingesetzter Schlagwerkapparat sorgt für Stimmung, zwei Klaviere treten in sanft agonalen Wettbewerb, dazu schafft Eötvös viele irrlichternde Momente, was vor allem am glucksend verspielten Sampler-Keyboard liegt. Peter Böhm und Markus Urban sorgen für perfekte Klangregie. Manchmal wippt man da mit, weil das Tanzbein zu schwingen in der Kirche doch etwas merkwürdig wäre - so locker tänzerisch-rhythmisch geht es zu.

Der Rausschmeißer ist schon ein Klassiker: "A Chinese Opera" (Uraufführung war 1986 in Paris). Kent Nagano hielt das Stück einst für ein abendfüllendes Musiktheater und wollte es in Lyon zeigen, Eötvös erklärte ihm, es sei lediglich ein Halbstünder für den Konzertsaal. Also bestellte Nagano bei Eötvös damals eine "echte" Oper, und heraus kam der moderne Klassiker "Tri sestri" nach Anton Tschechow.

Asiatisch ist die "Chinese Opera" übrigens allenfalls in ihrer komplexen rhythmischen Struktur, inhaltlich ist sie eine Hommage an die von Eötvös sehr geschätzten Regisseure Peter Brook, Luc Bondy, Klaus Michael Grüber und Patrice Chéreau.

Wie klingen nun diese Herren? Bondy eher eloquent elegant, Grüber und Brook ziemlich klar und rituell, Chéreau überaus hart und karg. Zischende Vokalelemente und vorbeihuschende Minituschs sorgen für hohe Spannung. Verglichen mit Thomas Adès' bei den Festspielen uraufgeführtem "Würgeengel" besitzt Eötvös' "Chinese Opera" dringlichere Theatralität . . .

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 05:53 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/theaterwirkung-mit-dem-raumklang-1197385

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