Kunst

"Tschick": Auf und davon in den Sommer

Wolfgang Herrndorfs Jugendroman "Tschick" ist Pflichtsommerlektüre. Nun kommt die Verfilmung von Fatih Akin ins Kino.

Die große Freiheit, das sind die Sommerferien, und die sollen nie zu Ende gehen. Und insofern ist "Tschick" von Wolfgang Herrndorf das ultimative Sommerferienbuch: Zwei 14-jährige gehen da auf große Fahrt, in einem geklauten himmelblauen Lada, und die Reise, wünscht man sich lesend, möge nicht aufhören. Das Buch hat sich millionenfach verkauft, schon vor seinem Tod 2013 hatte Herrndorf einer Verfilmung zugestimmt. Mit Regisseur Fatih Akin ("Gegen die Wand") ist es der Richtige geworden, der Kompromisslosigkeit und sonnendurchglühte Endlosigkeit, Musik und Sinnlichkeit und das Staunen über die Welt in einen Film zu packen schafft, ohne eine Sekunde in Kitsch zu schlittern.

"Tschick" handelt von Maik (Tristan Göbel), der in der Schule unauffällig ist bis zur Durchsichtigkeit, obwohl er doch so sehr in Tatjana verliebt ist.

Maik lebt dank seines Immobilienhändlervaters in einer absurd luxuriösen Villa mit Pool am Rande eines Scherbenviertels, und ist seiner schwer trinkenden Mutter kameradschaftlich verbunden. Und dann gibt es neuerdings Tschick (Anand Batbileg) in der Klasse, dem Regeln egal sind: Tschick, der eigentlich anders heißt, dessen Namen richtig auszusprechen sich aber niemand die Mühe macht, kann sehr gut rechnen, kommt mit zerrissenen Hosen und Schnapsflasche in die Schule, und mangels Alternativen wird er zu Maiks bestem, weil einzigem Freund. Und dann, nach der Zeugnisverteilung, fährt Maiks Mama zum Alkoholentzug auf die "Beauty Farm", wie sie sagt, und sein Papa verabschiedet sich mit seiner neuen, blutjungen Sekretärin in einen Kurzurlaub und steckt Maik noch etwas Geld zu.

Gerade, als Maik in Trübsal zu versinken droht, steht Tschick vor Maiks Villa, mit dem gestohlenen hellblauen Lada, und fordert Maik zu einer Runde um den Block heraus. Und die beiden fahren los, einfach Richtung Osten, wo Tschick seine Oma vermutet, und lernen unterwegs ein merkwürdiges, provinzielles Deutschland zwischen verwunschenen Mülldeponien und radelnden Jungadeligen kennen, zwischen Windkraftwerken und der ersten Liebe: Vielleicht ist der Film ein wenig zu fernsehglatt geworden für die Rauheit und Gewalt dieser Geschichte, vielleicht zu melodiös dafür, dass das Erwachsenwerden eigentlich meistens ziemlich schief klingt, und doch: Mit "Tschick" ist Fatih Akin ein zärtliches Road Movie gelungen, das Herrndorfs Roman gerecht wird.

Film: Tschick. Literaturverfilmung, Deutschland 2016. Regie: Fatih Akin. Mit Tristan Göbel, Anand Batbileg, Nicole Mercedes Müller. Start: 16.9.

(SN)

"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.
"Tschick": Auf und davon in den Sommer SN/constantin film
Szenen aus „Tschick“.

Aufgerufen am 18.01.2018 um 06:51 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/tschick-auf-und-davon-in-den-sommer-1064614

Papst ermutigte Jugend zu Abenteuern und eigenen Ideen

Bei seinem Besuch in Chile hat Papst Franziskus die Jugend dazu aufgefordert, Abenteuer zu wagen und ihre Ideale zu verfolgen. "Ich weiß, dass die Herzen der jungen Chilenen träumen, dass sie große Träume …

Meistgelesen

    Schlagzeilen