Kunst

Türkei - Elfriede Jelinek kritisiert Untätigkeit der Schriftstellerverbände

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek kritisiert in einem Gastkommentar im "Standard" das Schweigen der Schriftstellervereinigungen angesichts der Massenverhaftungen in der Türkei. Sie fordert die Freilassung zweier Kollegen sowie aller willkürlich Gefangenen.

Türkei - Elfriede Jelinek kritisiert Untätigkeit der Schriftstellerverbände SN/APA (Archiv)/epa apa Schlager
Jelinek meldet sich zu Wort.

"Ich höre nichts von meinen (Schriftsteller-)Vereinigungen. Vielleicht stecken sie derzeit ja im Gefängnis ihrer Badehosen oder Bikinis an irgendeinem Strand fest", so die Autorin. In weiterer Folge bezieht sich Jelinek auf Hannah Arendt und ihre Beschreibung der Stimmung des Hasses nach dem Ersten Weltkrieg. In der Türkei finde derzeit "offenbar ein umfassendes Wissen statt, wer weg soll, wer verhaftet wird, wer wieder freigelassen wird, wer gefoltert wird, wer ein Geständnis macht und wer nicht, und in den Mächten des Auslands brüllen die Fahnenschwenker und zertrümmern kurdische Lokale", nimmt die Nobelpreisträgerin deutlich Bezug auf die Demonstrationen türkischer Einwanderer in Wien.

Jelinek fordert "die Freilassung aller offensichtlich willkürlich Zusammengefangenen in der Türkei, denen man keine Schuld an einem Putsch nachweisen kann. Und ich fordere hier ausdrücklich die Freilassung (vielleicht ist sie ja schon passiert, was weiß ich, die Wellen kommen ja und gehen, manchmal schneller, als man schauen kann) von zwei alten Männern: Sahin Alpay, 72 Jahre, Politikwissenschaftler und Journalist, und Hilmi Yavuz, 80 Jahre, Schriftsteller, mein Kollege." Sie seien alt und bekämen nicht einmal ihre Medikamente. "Vielleicht hat sich auch das inzwischen geändert, ich hoffe es. Ja, brüllt nur und fahnenschwenkt, ihr, wie das Meer, aber aus Menschen. Und das Meer gibt einzelne Menschen nur widerwillig frei."

Quelle: APA

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