Kunst

UNESCO fordert Schutzmaßnahmen für irakische Stadt Nimrud

Die UNO-Kulturorganisation UNESCO fordert dringende Schutzmaßnahmen für die antike irakische Stadt Nimrud, um weitere Plünderungen der von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat zerstörten Ausgrabungsstätte zu verhindern. Experten der UNESCO hätten sich diese Woche ein Bild von den "großflächigen und systematischen Zerstörungen" an den zum Weltkulturerbe zählenden Ruinen gemacht.

UNESCO fordert Schutzmaßnahmen für irakische Stadt Nimrud SN/APA (Archiv/AFP)/SAFIN HAMED
Nimrud von Moslem-Extremisten schwer beschädigt.

Die irakische Armee hatte das Gebiet um die Ausgrabungsstätte, die rund 30 Kilometer südöstlich der IS-Hochburg Mossul liegt, Mitte November vom IS zurückerobert. Die IS-Jihadisten hätten den antiken Bauwerken und Steinreliefs mit Sprengstoff und Bulldozern "erheblichen Schaden" zugefügt, beklagte die UNESCO nach ihrer Erkundungsmission. Um die Überreste vor weiteren Plünderungen zu schützen, müssten nun "Sofortmaßnahmen" zum Schutz der verbliebenen Kulturschätze ergriffen werden.

Die UNESCO kündigte an, bei der Dokumentation der Schäden und der geplanten Restaurierung eng mit den irakischen Behörden zusammenzuarbeiten. Im Februar soll bei einer Konferenz in Paris über den Wiederaufbau von Nimrud beraten werden. Nimrud sei nicht nur für die Menschen im Irak, sondern für die gesamte "Geschichte der Menschheit" wichtig, erklärte UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova. Die Überreste müssten nun dringend besser geschützt werden.

Die IS-Jihadisten hatten Nimrud, ein archäologisches Juwel aus der Antike, vor zwei Jahren erobert. Im April 2015 hatte der IS ein Video veröffentlicht, in dem die IS-Kämpfer bei der Zerstörung der assyrischen Ausgrabungsstätte gezeigt wurden. Das Video ließ erahnen, dass von der antiken Stätte kaum noch etwas erhalten sein dürfte.

Das im 13. Jahrhundert vor Christus am Ufer des Trigris gegründete Nimrud war einer der berühmtesten archäologischen Fundorte im Zweistromland, das wiederum oft als Wiege der Kultur beschrieben wird. Nimrud war Hauptstadt des assyrischen Reiches. Seine Herrscher erbauten große Paläste, Tempel und prächtige Standbilder. Die IS-Kämpfer zerstörten unter anderem den 2.800 Jahre alten Nabu-Tempel, der dem babylonischen Gott der Weisheit und der Schreibkunst gewidmet war.

Die Zerstörung der Anlagen in Nimrud durch die Jihadisten war Teil der IS-Kampagne zur Vernichtung von Welterbestätten. Betroffen waren auch das antike Ninive am Stadtrand von Mossul, die Wüstenstadt Hatra und Palmyra im benachbarten Syrien.

Quelle: Apa/Ag.

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