Kunst

Uraufführung von "Hose Fahrrad Frau" im Wiener Volx

Wie spielt man eine Hose? Eine absurd wirkende Aufgabenstellung, die wohl den meisten Schauspielschülern den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Carolin Knab dagegen, Reinhardt-Seminaristin im Abschlussjahrgang, verkörpert im Volx/Margareten ein cooles, lässiges Beinkleid, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Sie ist eine der Entdeckungen der gestrigen Uraufführung "Hose Fahrrad Frau".

Diese Koproduktion des Wiener Volkstheaters mit dem Max Reinhardt Seminar ist überhaupt eine ziemlich feine Sache. Einerseits geben neben Knab auch einige ihrer Kolleginnen und Kollegen (etwa Lennart Lemster, Enrique Fiß oder Alina Ilonka Hagenschulte) ihre Visitkarten für künftige Engagements ab, andererseits ist auch das erste Stück des in Berlin Szenisches Schreiben studierenden Oberösterreichers Stefan Wipplinger ein Versprechen für die Zukunft. Mit seiner Vielzahl von kurz angerissenen Szenen, Figuren und Situationen bietet er in "Hose Fahrrad Frau" nicht nur eine ideale Spielwiese zum Ausprobieren, er reißt auch moderne Themen zwischen Identitätssuche und Verlorenheit an, ohne zu langweilen. So großstädtisch ging es in der kleinen Volkstheater-Nebenspielstätte in Margareten jedenfalls schon lange nicht mehr zu.

Es sind Momentaufnahmen von durch die Welt taumelnden Menschen, die ihren Halt mangels echter Partner mitunter mehr an Dingen oder Projekten finden. Da wird ein gestohlenes Fahrrad ("Dieses Fahrrad ist mit mir gekommen.") zum Objekt einer Liebesaffäre, weiß man zwischen Wohnungstausch und Beziehung, Leihmutterschaft und Leidenschaft nicht recht zu unterschieden. Lakonie und Witz, verwegene Absurdität und nüchterne Beobachtung finden sich unmittelbar aneinandergereiht und werden von Stefan Suske als Penner souverän mit philosophischer Unterfütterung versorgt. In den besten Momenten erinnert "Hose Fahrrad Frau" an frühe Szenen von Botho Strauß oder die erfolgreichen Stücke von Roland Schimmelpfennig.

Die junge Regisseurin Holle Münster, selbst Absolventin des Reinhardt Seminars, setzt in ihrer Inszenierung auf Künstlichkeit. Von Thea Hoffmann-Axthelm in strikt schwarz-weiße Kostüme gesteckt, werden die Akteure per Laufband auf die Bühne befördert und müssen sich immer wieder wie Marionetten bewegen. Auch das eine beliebte Schauspiel-Übung, doch für die ohnedies streckenweise ins Groteske getriebenen Szenen eine mitunter verkrampft wirkende Stilisierung.

Nach 90 Minuten Spielzeit betrachtet man nicht nur sein Fahrrad, seine Hose und seine Wohnungseinrichtung mit anderen Augen, sondern weiß auch, wie selbstbewusst Carolin Knab in verschiedenen Rollen mit den allesamt ziemlich verloren wirkenden Männern umzugehen versteht. Schon im Jänner wartet die nächste Herausforderung auf sie: Am Vorarlberger Landestheater soll sie das Gretchen in George Taboris "Mein Kampf" spielen. Keine Hosenrolle jedenfalls.

Quelle: APA

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