Kunst

Vielversprechender Saisonstart an der Grazer Oper

Die Grazer Oper gab unter dem Motto "Zwerge und Riesen" am Samstag einen musikalischen Vorgeschmack auf die neue Saison, der vielversprechend geriet. Franz Schrekers "Der Geburtstag der Infantin" gelang als bewegendes Stück über unerfüllte Liebe, während Gustav Mahlers Erste Symphonie ein ganzes Leben durchmaß. Viel Jubel gab es für die virtuose Schlagzeug-Show von Evelyn Glennie.

Vielversprechender Saisonstart an der Grazer Oper SN/APA/Barbara Gindl
Saisoneröffnung an der Grazer Oper.

Zwei Wochen vor der Eröffnungspremiere, die heuer mit Wagners "Tristan und Isolde" ein großes Unternehmen darstellt, stand Chefdirigent Dirk Kaftan zu Beginn seiner letzten Grazer Saison vor seinem Abgang nach Bonn auch beim Eröffnungskonzert am Pult.

Ob man Mahlers Werk als Selbstporträt des ewig Suchenden, sehnsuchtsvoll Scheiternden oder als Werk über das Leben und Streben jedes Menschen ansieht, spielt dabei keine Rolle. Klar und deutlich ließ Kaftan die Natur erstehen, doch dazwischen gingen unvermutet Seelenabgründe auf und drohten alles zu verschlingen. Die einfachen Liedanklänge standen in starkem Gegensatz dazu, der fahle Trauermarsch wirkte wie von fern betrachtet. Farbenprächtig und kraftvoll - hervorragende Hörner und strahlende Trompeten durften richtig auftrumpfen - malte Kaftan den letzten Satz, ein strahlender Schlusspunkt, der Wahnsinn, Erinnerung und Frieden anklingen lässt.

Franz Schrekers Ballettsuite "Der Geburtstag der Infantin" verwies thematisch auf die Premiere von Alexander Zemlinskys "Der Zwerg", die in der Grazer Oper zusammen mit Luigi Dallapiccolas "Der Gefangene" ab März zu sehen sein wird. Als Vorlage diente hier ebenso das Märchen von Oscar Wilde, bei dem der Zwerg von der Infantin verspottet wird und an gebrochenem Herzen stirbt. Schrekers Umsetzung ist äußerst romantisch, und Kaftan betonte die gefühlvolle Linie, ohne zwischendurch auf martialische Klänge und Humor zu verzichten.

Für völlig andere Töne sorgte Evelyn Glennie, die auf einer ganzen Batterie von Schlaginstrumenten spielte. Mit langen weißen Haaren und bloßfüßig wirbelte sie wie eine Gestalt aus einem Fantasy-Film auf der Bühne herum. Sie zeigte ihr Können bei Joseph Schwantners "Konzert für Schlagzeug und Orchester" - dafür war das ansonsten eher verzichtbare Werk bestens geeignet.

Quelle: APA

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