Kunst

"Was hat uns bloß so ruiniert": Und jetzt gefälligst glücklich sein

Vom Kinderkriegen und Erwachsenwerden handelt Marie Kreutzers verschmitzter dritter Film.

Es läuft alles bestens für die drei Paare in "Was hat uns bloß so ruiniert", was Selbstverwirklichung, materielle Zufriedenheit und Freundschaft angeht. Man dreht Filme und schreibt Kochblogs, man tauscht sich aus über Kaffeemaschinen und Vinylplatten, kocht gemeinsam, raucht einen Joint, alles ist kuschelig. Bis Stella (Vicky Krieps) und Markus (Marcel Mohap) mit der Neuigkeit herausrücken: Sie bekommen ein Kind. Und das bringt die anderen (Pia Hierzegger, Manuel Rubey, Pheline Roggan, Andreas Kiendl) in Zugzwang: Ist das nun das pure Glück? Wollen wir das auch? Und wenn wir alle Kinder kriegen, was macht das mit uns?

Marie Kreutzer inszeniert hier eine Versuchsanordnung: Sechs Bobos, also "Bourgeoise Bohémien", gutsituierte verwöhnte Künstlertypen, müssen sich auf einmal mit dieser Sache namens Verantwortung auseinandersetzen, mit der gnadenlosen Selbstgerechtigkeit anderer Eltern, mit unsympathischen Spielplatzbekanntschaften, und damit, dass noch das herzigste Baby völlig unvorhergesehene Dinge mit einer Beziehung anstellt. Kreutzer, die selbst eine kleine Tochter hat, schöpft dabei aus ihrer unmittelbaren Umgebung, wie sie im Interview bestätigt: "Ich musste quasi nur das Fenster aufmachen und mitschreiben, was ich vom Spielplatz unterhalb aufschnappe. Vieles im Film ist genau so passiert, auch wenn es überzeichnet wirkt."

Der Film funktioniert als logische Fortsetzung von Kreutzers Beschäftigung mit Familienkonstellationen: In ihrem Debüt "Die Vaterlosen" (2011) erzählte sie von den kaputten Kindern eines Kommunenpatriarchen, in der Literaturverfilmung "Gruber geht" (2015) schilderte sie die Einsamkeit eines egozentrischen Geldmenschen. Hier nun berichtet sie vom Scheitern einer harmonischen Familiengründung, jedoch ohne die kritisch beobachtende Distanz ihrer vorhergehenden Filme. Kreutzer gelingt eine detailreich erzählte, tragikomische Bestandsaufnahme des Jungelterndaseins zwischen Windelfreiheit, Bionudeln, basisdemokratischer Kindergruppe und dem vielgescholtenen Hedonismus der Mittdreißiger. Und noch etwas gelingt ihr: Die sechs Personen, deren Leben durch ihre Kinder einen radikal anderen Schwerpunkt bekommt, nimmt dieser Film nicht als Elterntiere wahr, sondern weiterhin als individuelle Personen mit Sehnsüchten, Bedürfnissen und Egoismen. Durch die Abwesenheit jeglicher politischer Sorgen und wirtschaftlicher Nöte im Leben der Figuren allerdings fehlt jene Verankerung in der Realität, die aus dem Film ein gültiges Generationenporträt gemacht hätte. Das macht den Krampf ums Kinderkriegen aber nicht weniger unterhaltsam.

Film: Was hat uns bloß so ruiniert. Tragikomödie, Ö 2016. Regie: Marie Kreutzer. Mit Pia Hierzegger, Manuel Rubey u. a. Start: 23.9.

Quelle: SN

Aufgerufen am 22.08.2018 um 03:00 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/was-hat-uns-bloss-so-ruiniert-und-jetzt-gefaelligst-gluecklich-sein-1043743

Schlagzeilen