Kunst

Weiter Proteste gegen Inhaftierung von Autorin Asli Erdogan

Die Inhaftierung der türkischen Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan, die in Graz und Zürich "writer in exile" bzw. "writer in residence" war, ruft auch in Österreich weiter Protest hervor. Wie der Online-"Standard" und die "Kleine Zeitung" berichteten, bereitet der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) einen Protestbrief an den türkischen Botschafter vor.

Nagl sagte dem "Standard", dass er in dem Schreiben um dringende Aufklärung zum Verbleib der 49-Jährigen ersuchen will. Für die Schriftstellerin, die 2012 und 2013 in der steirischen Landeshauptstadt "Asylschreiberin" war, gebe es in Graz immer einen Platz. "Wenn sie Asli Erdogan abschieben wollen, bei uns ist sie willkommen", wird der Grazer Bürgermeister zitiert.

Erneut zu Wort meldete sich am Sonntag auch die IG Autorinnen Autoren: "Wir begrüßen die (neuerliche) Einladung des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl von Asli Erdogan nach Graz und unterstützen ihn darin mit allen unseren Möglichkeiten sowie sämtliche Bestrebungen, Asli Erdogan und ihren Kolleginnen und Kollegen umgehend ihre Freiheit zurückzugeben", so Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG AutorInnen, in einer Aussendung. In einer Online-Petition fordern türkische und kurdische Autoren bereits seit mehreren Tagen die Freilassung Asli Erdogans. Auch der Schriftstellerverband PEN International erklärte, Erdogan und andere Beschuldigte seien offensichtlich nur festgenommen worden, weil sie friedlich das Recht auf freie Meinungsäußerung genutzt hätten.

Erdogan und 23 weitere Menschen waren nach der Schließung der pro-kurdischen Zeitung "Özgür Gündem" festgenommen worden. Der Zeitung wird Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorgeworfen. Erdogan schrieb in der Vergangenheit Kolumnen für die Zeitung und war auch als Beraterin tätig. Über die Schriftstellerin wurde mittlerweile Untersuchungshaft verhängt, zuvor sei sie von Staatsanwälten vernommen worden, wie die türkische Zeitung "Hürriyet" am Samstag berichtete. Laut Yusuf Yesilöz, Schweizer Autor mit kurdischen Wurzeln, sieht sich Asli Erdogan mit Vorwürfen wie Propaganda für eine illegale Organisation, Mitgliedschaft bei einer illegalen Organisation und Volksverhetzung konfrontiert.

Die Autorin ist international bekannt. Ihre Bücher wurden unter anderem im Züricher Unionsverlag publiziert. Erdogan hatte zunächst Informatik und Physik studiert und arbeitete von 1991 bis 1993 als Physikerin am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf.

Quelle: APA

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