Kunst

Wettlesen um den Bachmann-Preis beendet

Mit den Österreichern Leopold Federmair und Isabella Feimer ist am Samstag in Klagenfurt das Wettlesen bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur zu Ende gegangen. Federmair erntete deutlich mehr Kritik als Lob.

Wettlesen um den Bachmann-Preis beendet SN/apa (eggenberger)
Wettlesen nach drei Tagen beendet.

In Federmairs "Aki" erzählt eine Frau über eine frühere Beziehung mit einem zehn Jahre jüngeren Burschen namens Aki. Diese fiel ihr wieder ein, als sie den ehemaligen Freund zufällig in einer Bank wiedersieht und er sie nicht erkennt. Es war eine seltsame Beziehung, man traf sich nächtens am Gang, er stets nackt und mit erigiertem Penis, sie geschafft von der Arbeit im Gasthaus. Sie hörten Musik zusammen oder musizierten selbst, dazu stahlen sie gelegentlich Geld aus dem Tresor des Gastwirtes. Irgendwann fiel die Beziehung auseinander und durch das Zufallstreffen blendet sie zurück.

Feimer erzählt in "Abgetrennt" die Erinnerung an eine Beziehung. Dazu mengt die Autorin Kindheitserinnerungen beider in ihren Text. Die Frau beschreibt ihren - offenbar sehr dominanten - Partner, sehr feinfühlig, sehr liebevoll, sie kommt mit dem Alleinsein aber nicht wirklich klar. Der Partner wird zum Schatten, den sie doch nicht loswird.

Nawrat bekam für seinen Text viel Zuspruch. In der Erzählung "Unternehmer" beschreibt er einen Mann, dessen einarmigen Sohn und seine Tochter, die sich mit dem Sammeln von Altmetall über Wasser halten, erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Tochter. Der Wunschtraum der Dislozierten ist das Auswandern nach Neuseeland, wo man "nächstes Jahr" sein wird, dabei ist völlig klar, dass daraus nichts werden wird. Nawrat mischt Begriffe aus dem Wirtschaftsdeutsch in die Sprache, die seltsam deplatziert wirken, sexuelle Erfahrungen des pubertierenden Mädchens dürfen in der Geschichte nicht fehlen.

Senkels "Aufzeichnungen aus der Kuranstalt" erzählt humorvoll-ironisch die Geschichte eines kanadischen Finanzjongleurs, der in einer Kuranstalt für "Schriftsteller in Schaffensnöten" auf den Antillen untertaucht, weil er von der Finanzmarktaufsicht gesucht wird. Er legt sich das Pseudonym "Cederic Darwin junior" zu. Dort trifft er allerlei seltsame Gestalten, die aus den verschiedensten Gründen entweder nicht mehr oder überhaupt nicht schreiben können. Als ihm die Behörden auf die Spur kommen, flüchtet er mit einem Schnellboot und veröffentlicht den Roman "Notes from the Sanatorium", der ein Erfolg wird.

(APA)

Aufgerufen am 22.04.2018 um 04:27 auf https://www.sn.at/kultur/kunst/wettlesen-um-den-bachmann-preis-beendet-5953243

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