Kunst

Wiener Galerienfestival "curated by" startet am Donnerstag

Künstler, so der Ausgangspunkt für "curated by_vienna", wenden sich heute wieder verstärkt Vorbildern zu. Der Kulturkritiker Diedrich Diederichsen sieht eine Alternative zu aus den "Winkeln der Kunstgeschichte hervorgezogenen Großeltern": "die Thematisierung der tatsächlichen eigenen Herkunft". Sein Essay zum Thema gab den Impuls für das Galerienfestival, das am Donnerstag eröffnet wird.

Die 20 internationalen Kuratoren der 19 teilnehmenden Wiener Galerien beziehen sich in ihren speziell für "curated by" kuratierten Ausstellungen auf Diederichsens titelgebenden Text "Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht". Sie spüren der Frage nach, wieso sich Künstler Leitfiguren schaffen und wie sich "die damit einhergehenden Hommagen, Referenzen, Zitate und Aneignungen im jeweiligen Werk" offenbaren, heißt es in den Presseunterlagen. "Welche Kontinuitäten (...), aber auch welche Brüche werden damit sichtbar?"

In der Galerie Crone etwa wird jener Ort nachgestellt, an dem die "'Hommage' von jedermann erprobt wird": das Jugendzimmer. Werke von u.a. Cosima von Bonin, Andy Warhol und Albert Oehlen bilden hier jene Einzelteile, aus denen "das eigene Ich" entsteht, schreibt Kurator Dirk Schönberger. Auf der Frage, "wie die alte Idee der Hommage weitergedacht werden soll", basiert wiederum die Ausstellung in der Knoll Galerie. Die ungarische Kuratorin Edit Sasvári dreht in der Schau "Homage - Ideal or Pattern?" das Gewohnte um und spürt nach, was es für ältere Künstler bedeutet, auf jüngere Generationen zu blicken.

Künstlerische Strategien des Widerstandes unter repressiven lateinamerikanischen Regimes rückt die Kuratorin Heike Munder ins Zentrum: In der Kerstin Engholm Galerie zeigt sie historische Positionen aus Argentinien, Brasilien und Chile seit Ende der 60er-Jahre, darunter Fotografien einer Performance des Chilenen Elias Adasme, der nach Todesdrohungen des Pinochet-Regimes ins Exil nach Puerto Rico flüchten musste. "Aus kunsthistorischer Perspektive vollzog diese Künstlergeneration einen radikalen ästhetischen Bruch mit der vorherrschenden akademischen und formalistischen Kunstproduktion des Modernismus in Lateinamerika", so Munder.

Die das Festival veranstaltende Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure bietet neun verschiedene kostenlose Touren an, die "einen neuen, verständnisfördernden Zugang zu Galerien schaffen und Lust auf mehr machen" sollen. Impulsgeber Diederichsen selbst gibt eine Spezialführung am 23. September und moderiert auch das halbtägige Symposium, das am morgigen Freitag bei freiem Eintritt in der Wiener Secession stattfindet. Die vier Panels zu Themen wie "After Patricharchy" und "Body and Soul" beziehen sich allesamt auf das Festivalthema.

Quelle: APA

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