Literatur

460.000 Euro für Josef-Winkler-Vorlass

Das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt kaufen den Vorlass des Kärntner Literaten Josef Winkler. Wie das Musil-Institut, das den Vorlass als Dauerleihnehmer erhalten wird, am Montag erklärte, stünden die Vertragsgespräche kurz vor dem Abschluss. Der Preis liegt bei 460.000 Euro. Den von der FPÖ in diesem Zusammenhang erhobenen Vorwurf der Geheimniskrämerei wies das Institut zurück.

Josef Winkler von FPÖ kritisiert SN/APA (Archiv)/HERBERT NEUBAUER
Josef Winkler von FPÖ kritisiert

Um den Ankauf abzuschließen, müsse ein Vertrag abgeschlossen werden. Bei dessen Ausarbeitung seien die Rechte aller Beteiligten berücksichtigt worden, man habe auch die Rechte des Suhrkamp-Verlags abgeklärt, so Institutsleiterin Anke Bosse. Von Rechtsstreitigkeiten oder urheberrechtlichen Problemen könne keine Rede sein. Auch der von den Freiheitlichen erhobene Vorwurf des versuchten Betrugs seitens des Autors sei völlig haltlos.

FPÖ-Obmann Gernot Darmann hatte vor einigen Tagen erklärt, es bestehe der Verdacht, dass Winkler versucht habe, Urheberrechte an seinen Werken doppelt zu verkaufen, dabei könnte es sich um Betrug handeln. Die FPÖ hatte den Büchner-Preisträger in den vergangenen Tagen mehrfach attackiert und auch Anzeige gegen ihn erstattet, weil Winkler bei einem Festakt in Klagenfurt seine Bemerkung aus dem Jahr 2009 wiederholt hatte, die Urne des ehemaligen freiheitlichen Landeshauptmannes Jörg Haider in eine Gefängniszelle zu verlegen.

Bosse erklärte zu den Vorwürfen: "Ich verwahre mich gegen die Versuche der FPÖ, Josef Winkler oder irgendeine andere involvierte Person oder Institution zu kriminalisieren." Am Musil-Institut werde sofort nach Vertragsabschluss mit der gründlichen Erfassung des Winkler-Vorlasses begonnen, die Vorbereitungen dafür seien getroffen. Den Vorlass Winklers bezeichnete Bosse als "absolut herausragend". Er umfasse Arbeiten aus 45 Jahren, mehr als 100 einzigartige Notiz- und Tagebücher mit ersten Textentwürfen, was eine besondere Rarität darstelle. Dazu kämen 44 Werkkonvolute mit Vorarbeiten und Entwürfen, die jeweils das Zehn- bis Zwanzigfache des veröffentlichten Buchs ausmachten, und vieles mehr. Bosse: "Der Vorlass umfasst gerade nicht die bei Suhrkamp veröffentlichten Winkler-Texte." Noch sei er Josef Winklers Privatbesitz, erst wenn die öffentliche Hand ihn ankaufe, könne er professionell und im Detail ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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