Literatur

Bilkau, Gauld, Flor - die SN-Buchtipps

Der SN-Literaturexperte Anton Thuswaldner hat wieder seine Buchtipps der Woche zusammengestellt.

 SN/heinz bayer

Marina Perezagua: Hiroshima. Roman. Aus dem Spanischen von Silke Kleemann. Geb., 374 S. Klett-Cotta, Stuttgart 2018.

So wenig Scheu vor dem Scheitern hat nur eine Debütantin. Die Spanierin Marina Perezagua, 1978 in Sevilla geboren, wartet mit allen Schrecklichkeiten auf, die das 20. Jahrhundert den Menschen zugemutet hat und hantelt sich in ihrem Roman von einem Schrecken zum nächsten. H zum Beispiel. Er überlebt die Folgen des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima, verliert aber sein Geschlecht. Einen Leidenskollegen findet er in Jim, der nach Kriegsgefangenschaft schwer traumatisiert ist und zur Liebesunfähigkeit verdammt ist. Die beiden tun sich zusammen, um Jims Adoptivtochter irgendwo auf dem Planeten zu finden. Sie werden zu Reisenden, die stets aufs Neue mit Belegmaterial für die Grausamkeit des Menschen versorgt werden. Folter, Vergewaltigung, Rassismus, Genitalverstümmelung, nichts lässt die Autorin aus, um Szenen von Gewalt drastisch vor Augen zu führen. Darüber vergisst sie, dass sie für einen Roman eigentlich eine Geschichte braucht, die sie konsequent vorantreibt. Erzählökonomie vermisst man in diesem Buch deutlich.

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Aufgerufen am 24.09.2018 um 05:26 auf https://www.sn.at/kultur/literatur/bilkau-gauld-flor-die-sn-buchtipps-40089517