Literatur

Conrad, Brandstetter, Sapin - die SN-Buchtipps

Kulturjournalist Anton Thuswaldner hat für die SN-Leser wieder seine Buchtipps der Woche zusammengestellt.

 SN/apa

Joseph Conrad: Die Schattenlinie. Roman. Aus dem Englischen von Daniel Göske. Tb., 419 S. dtv 14657, München 2018.

Der junge Mann, um den sich in diesem Roman aus dem Jahr 1917 alles dreht und der als Ich-Erzähler fungiert, traut sich einiges zu. Noch hat er nicht viel Erfahrung auf See, dennoch übernimmt er den Posten eines Kapitäns auf einem Schiff. Prompt gerät er in Schwierigkeiten, die ihn heillos überfordern. Malaria bricht aus an Bord, eine Flaute macht den Leuten zu schaffen, Überleben auf See wird zur Glückssache. Es mangelt dem jungen Kapitän an der Autorität, die nötig ist, um einen Haufen rauer Knaben unter Kontrolle zu halten. Erzählt wird im Rückblick, als der inzwischen deutlich gealterte Kapitän auf die Sünden seiner Vergangenheit zurückblickt. Das Buch ist weniger ein Abenteuerroman als ein Entwicklungsroman, der schildert, wie einer Lehrgeld bezahlt, um zu einer Persönlichkeit zu reifen, die tatsächlich fähig ist, mit der rüden Gesellschaft an Bord fertigzuwerden. Aus dem Ahnungslosen wird ein um notwendige Erfahrungen Fortgeschrittener. Ein Klassiker, der sich frisch präsentiert, wie es nur Büchern gelingt, die uns etwas mitzuteilen haben, was uns in unserem Innersten angeht.

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